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Gedanken zur Biotop-Pflege

Autor und Fotos: Thomas Ulrich


Vorwort

Mit diesem Beitrag beginnen wir in lockerer Reihenfolge eine Serie von Artikeln über das komplexe Thema der „Biotoppflege“. Viele von uns engagieren sich im Herbst bei den Pflegeeinsätzen und sehen, wie sich die verschiedenen Gebiete im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte verändern. Der einen oder dem anderen unter euch kommen vielleicht auch hie und da Gedanken wie z.B. „Hat unsere Arbeit im Biotop eigentlich einen Sinn?“. Die Antwort fällt einem schwer. Wenn Populationen verschwinden, denkt man eher negativ über den Erfolg, wenn hingegen neue Arten auftreten (wie die Bocksriemenzunge in Villnachern), ja dann denkt man eher positiv.
Auch Anfragen über unsere Homepage, wie eine „richtige Biotopflege“ durchzuführen wäre – z.B. um die Orchideenvielfalt zu erhalten (u.a. Stichwort Beweidung) – zwingen uns zum Nachdenken.
Starten wir also den Versuch mit einer theoretischen Betrachtung über „Biotoppflege“ neues Verständnis und somit neue Impulse für unser Handeln zu gewinnen und unseren Optimismus  zu stärken.

Einleitung

Eigentlich denkt man heute nichts einfacher als das. Wenn man was über z.B. „Biotoppflege“ wissen möchte, dann ab ins Internet und „googeln“.
Das Resultat kann sich sehen lassen; es gibt eine Unmenge an Information, die erst einmal gesichtet werden muss und dabei wird einem schnell klar „eine Biotoppflege“ gibt es nicht. Es gibt die Biotoppflege für Schmetterlinge oder Reptilien oder speziellen Pflanzengruppen (wie z.B. Orchideen) und nun erkennt man schlagartig, dass man nicht allen gerecht werden kann. Kleine Beispiele hierfür sind z.B. der einjährige Gefranste Enzian, auf den unsere Mäher immer besonders achten. Spät-reifend wie er ist, kann dieser einfach in einem Biotop durch das für ihn zu frühe Mähen ausgerottet werden. Ein anders Beispiel ist z.B. das Kriechende Netzblatt, welches auf dem Lehrpfad einst vorkam, aber durch die notwendigen Auslichtungsmassnahmen seine Heimat verloren hat. Wenn man nun noch an die Reptilien denkt, diverse Käfer, Schmetterlinge, die überwintern wollen, so ist für sie in einem „reinlichst geputzten“ Biotop oft kein Platz mehr. Hier hilft das Stehenlassen von Wiesenteilen, wie wir es zwar machen; aber Achtung, haben sich die Puppen und Raupen der Schmetterlingsarten wirklich hier versteckt oder hat jede Art ihren „biotopeigenen“ Unterschlupf in der Nähe ihrer Futterpflanzen?
Und erhalten unsere Pflegemassnahmen eigentlich auch diese Futterpflanzen? Und schaffen wir genügend Nistmöglichkeiten für die Insekten, die unsere Lieblinge befruchten? Und wenn wir stolz die Samenstände der Orchideenarten betrachten, haben die unscheinbaren Samen überhaupt eine Chance im gepflegten Biotop zu keimen und das Jungpflanzenstadium zu überstehen, um in einigen Jahren zu erblühen und den Zyklus zu schliessen, sofern der Bestäuber noch im Areal fliegt?
Wie man sieht ist die Angelegenheit äusserst komplex und mit einem schlagwortartigem „Beweidung-Nein oder Beweidung-Ja“, „Mähen spät – Mähen früh“, „Ausholzen, Lichten Nein - Ausholzen, Lichten Ja“ ist es nicht getan.
Darum versuchen wir in dieser Serie Klarheit zu schaffen.

Allgemeine Bemerkungen zur Biotoppflege

intensiv bewirtschaftete Weidefläche für Schafe, Foto: Thomas UlrichEine intensiv bewirtschaftete Weidefläche für Schafe  Tag- und Nachtpferch über län­gere Zeit zeigen die Spuren. Zum einen zeigen sich offene Stellen in der Grasnarbe, was positiv wäre für eine Ver­jüngung. Zum anderen zeigen sich aber auch Spuren der Überweidung und Überdüngung. intensiv bewirtschaftete Weidefläche für Schafe, Foto: Thomas Ulrich In einem Artikel hat Ruedi Peter[1] die Entstehung der heutigen Orchideenbiotope wie folgt zusammengefasst:
„Hätten nicht die Menschen schon vor Jahrhunderten begonnen, die Vegetation zu ihrem Nutzen zu verändern, gäbe es bei uns für Orchideen nur wenige Lebensräume. … Als unsere Vorfahren sesshaft wurden und begannen Landwirtschaft zu treiben, erfuhr die Landschaft einen einschneidenden Wandel. … Es entstanden extensiv genutzte, offene und stark besonnte Wiesen und Weiden sowie lichte Wälder.“
An einer Fachtagung gab Rudolf Maier[2] einen ausführlichen Abriss einer historischen Entwicklung einer Kulturlandschaft am Nordrand von Wien, in der durch und trotz menschlicher Einwirkung mehr als 20 Orchideenarten und andere floristische Spezialitäten ihren Platz finden. Eine Region, die seit den Römern durch den Rebbau geprägt wurde und in der im 19. Jh. die eingeschleppte Reblaus die vergleichbare verheerende Auswirkung hatte, wie in vielen Teilen Europas – so auch an den Schweizer Jurahängen. Magere, nicht tiefgründige, sekundäre Trockenrasen entstanden und gaben Platz für die charakteristische Flora und Fauna. Die extensive Nutzung der Trockenrasen und lichten Wälder durch Beweidung mit wenig Vieh (Schafe, Ziegen, Rinder) ohne Pferchung sowie geringer Schnitthäufigkeit schufen ein empfindliches Gleichgewicht. Durch weniger Nutzung konnte sich durch zunehmende Verbuschung der Wald ausdehnen, durch eine intensivere Nutzung wurde der Nährstoffeintrag erhöht und die Artenvielfalt änderte sich.
In unserer Zeit (ab den 70er Jahren des letzten Jh.) hat sich die Landwirtschaft und somit die Nutzung stark intensiviert. Das gepferchte Weiden und das zusätzliche Einbringen von Gülle und Kunstdünger veränderte die Biotope in bekannter Weise.

Wenn wir diesen Verlust an Artenvielfalt bremsen wollen, muss eine Biotoppflege der noch vorhandenen artenreichen Gebiete in einer angemessenen Weise erfolgen, wie einst ihre Entstehung.

Ein kritisches Resümee über 20 Jahre Biotop­pflege­massnahmen des AHO Rheinland-Pfalz/Saarland gibt Jürgen Passin.[4]
In seinem Fazit stellt er fest:
[Es] ist auch der Regionalgruppe Koblenz im AHO Rheinland-Pfalz/Saarland in den letzten 20 Jahren gelungen, durch Imitation traditioneller Bewirt­schaftungsformen Orchideen­habitate und –bestände zu erhalten und positiv zu beeinflussen. Die guten Blüherfolge der auf die ersten Pflegemassnahmen folgenden Jahre beruhen auf der Tatsache, dass offenbar ‚schlafende’ Orchideenknollen, bedingt durch den starken Lichtzuwachs, stärker zum Austrieb kommen und damit zum Blühen kommen. …Danach pendelt sich der Bestand der alljährlich blühenden Orchideen auf ein niedriges Niveau ein. … Vielleicht sehen wir Menschen aber auch alles zu sehr unter dem Erfolgsdruck der permanenten Steigerung. Pflege­massnahmen halten wir für effizient, wenn sie … einen jährlichen Zuwachs der Bestände generieren.

Zauneidechse Lehrpfad März 2005, Foto: Thomas UlrichZauneidechse - Ein selten gewordener Gast auf dem Lehrpfad
März 2005

In einer ausführlichen Dokumentation stellte Otmar Töpfer (AHO Thüringen) [3] die orchideenspezifischen Pflegemassnahmen umfassend und ausführlich zusammen. Für die meisten auf dem Lehrpfad vorkommenden Orchideenarten wird September als optimaler Pflegemonat angegeben. Speziell für Orchideen mit Winterrosetten ist eine kurzrasige Mahd und eine lockere Bodenstruktur nötig. Dies soll an zwei Beispielarten verdeutlicht werden.

  Aceras anthropophorum
Keine Pflege und Nutzung Mai bis Mitte August
Ruhezeit der Knollen September
Winterrosetten Ab Oktober – Mai
Blütezeit Mitte Mai-Mitte Juli
Samenreife Bis Ende August
Einmalige Mahd mit sofortiger Räumung September
Beweidung Ende August & September
(Pflegeplan mit Nachmahd)
durch Schafe/Ziegen kein Nachtpferch!!
Wichtige Pflegebedingungen •   Kein Grasfilz
•   Kurzrasig
•   Keine überständige Bodenvegetation
•   Warme, sonnige Biotope
•   Leicht beschattet
•   Gut strukturierte Saumbereiche, Gebüschstrukturen
•   Bodenverwundungen
•   Lockere Bodenstrukturen
Achtung Während Austrieb sehr trittempfindlich
Begleitspezies
Spezies in Klammern kommen auf dem Lehrpfad nicht vor.
Ophrys apifera, Ophrys insectifera, Gymnadenia conopsea, Orchis militaris
[Cephalanthera rubra], [Orchis pupurea]
  Ophrys apifera
Keine Pflege und Nutzung Mai bis Ende August
Ruhezeit der Knollen September- Oktober
Winterrosetten Ende September-Anfang Juni
Blütezeit Juni-Juli
Samenreife Ende Juli-September
Einmalige Mahd mit sofortiger Räumung Mitte September-Oktober
Beweidung September-Oktober
durch Schafe/Ziegen kein Nachtpferch!!
Wichtige Pflegebedingungen •   Kein Grasfilz; Kurzrasig
•   Lockerer Bodenbewuchs
•   Gut ausgebildete Halbtrocken-, Trocken- und Kalkmagerrasen
•   Entwickelt sich im Schattenbereichen von Solitärgehölzen besonders gut
•   Gepflegte Frischwiesen in warmer Lage
•   Leichte, oberflächliche Bodenfeuchte, keine Staunässe
•   Austrocknungsschutz des Bodens zur Hauptvegetationszeit durch Schonung der Grasnarbe
•   Bei Beweidung: Hauptstandorte auskoppeln und nachpflegen;
bei einseitiger Nutzung Veränderung des Pflanzenspektrums à besondere Pflege notwendig
Achtung In Lagen mit starken Kahlfrösten – genügend hohe Altgrasschicht
In Kaltluftlagen – ausreichender Bestand an Gehölzen & Windschutz
Begleitspezies
Spezies in Klammern kommen auf dem
Lehrpfad nicht vor.
Dactylorhiza fuchsii, Gymnadenia conopsea, Listera ovata, Ophrys insectifera, Orchis mascula, Orchis militaris, Platanthera chlorantha, [Cephalanthera rubra], [Epipactis atrorubens], [Orchis purpurea], [Orchis tridentata]

Wie steht es nun mit den beiden Beispielarten auf dem Lehrpfad?[7]

In den folgenden zwei Abbildungen sind Angaben vor dem heissen Sommer 2003 grau hinterlegt, ab 2004 weiss. Die Druckgrösse der Zahlen repräsentiert die Anzahl blühender Pflanzen 1-4 „klein“, 5-9 „mittel“ und mehr als 10 „gross“.

Auswertung Aceras anthropophorum Vorkommen auf dem Lehrpfad, Foto: Thomas Ulrich

Aceras anthropophorum
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Aceras anthropophorum kam auf dem Lehrpfad gehäuft immer zentral in einem Gebiet in Nähe der Büsche vor. Vereinzelt wurden auch Pflanzen in anderen Teilen des Lehrpfades i.d.R. ebenfalls in Nähe der Büsche beobachtet.
Offensichtlich sind die starke Abnahme der Population im Zentralbereich ab 2004 sowie eine Verlagerung in die Randbereiche (westlich und nördlich), auch wenn es sich lediglich um mehr oder weniger sporadisch auftretende Einzelpflanzen handelt. Die Frage ist nun, warum stabilisieren sich die Populationen nicht auf einem Niveau vergleichbar vor 2003?
Fehlen die offenen Bodenstrukturen? Die wären im nördlichen Teil vorhanden, die schattenspendenden Büsche jedoch nicht. Im westlichen Teil haben wir die Büsche/Bäume, ist der Boden aber offen genug?
Im Zentralbereich kann es ziemlich heiss werden (lediglich Schutz vor der Morgensonne), zudem fehlen hier die lockere Bodenstruktur (dichte Grasnarbe ohne Bodenverwundung, moosige Verfilzung).

Ophrys araneola Rosetten, November, Foto: Thomas Ulrich Ophrys holoserica Rosetten, Februar, Foto: Thomas Ulrich Ophrys insectifera Rosetten, Februar, Foto: Thomas Ulrich
Ophrys araneola Rosetten, November Ophrys holoserica Rosetten, Februar Ophrys insectifera Rosetten, Februar

Die Pflegetermine der letzten Jahre (Ende Okt./Anf. Nov.) lagen bereits in der Vegetationsperiode der Winterrosetten. Haben wir genügend auf sie geachtet und sie nicht beschädigt?
Fragen, denen wir uns stellen sollten und um unter Umständen die Pflegemassnahmen gezielter - d.h. artspezifischer - festzulegen. Genau im Bereich der Aceras anthropophorum Population haben wir letztes Jahr (2009) das Gras stehen lassen. Vielleicht war dies für die Entwicklung der Jungpflanzen Aceras anthropophorum und Ophrys araneola gut, da sie im Winterhalbjahr ungestört wachsen konnten. Vielleicht aber auch schlecht, da das Altgras den Pflanzen das Licht wegnimmt, die offenen Bodenstrukturen verdeckt und unter Umständen diesjährige Samen hindert, sich im Boden festzusetzen. Dieses Jahr wurden keine blühenden Aceras anthropophorum beobachtet, die einzig bekannte blühfähige Pflanze wurde ausgegraben! Was der trockene April, nasse Mai, kalte Juni sonst noch bewirkt hat, neben unseren Pflegemassnahmen, wissen wir natürlich nicht.


Auswertung Ophrys apifera Vorkommen auf dem Lehrpfad, Foto: Thomas Ulrich
Ophrys apifera
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Im Falle von Ophrys apifera ist die Lage etwas eindeutiger. Man erkennt die Verlagerung der Population vom westlichen in den nordöstlichen Teil. Wobei die Gesamtanzahl an blühenden Pflanzen über die Jahre abnahm. Auch für diese Art gilt dieses Jahr, dass das einzige blühfähige Exemplar dem Raub zum Opfer fiel, weitere blühende Pflanzen wurden nicht beobachtet. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Laut Literatur blühen durchschnittlich 25% einer Population d.h. es gibt bestimmt noch Pflanzen.
Aber auch für die Bienenragwurz ist offensichtlich, sie hat ihr Biotop in einen Teil des Lehrpfades verlegt, der im Schattenbereich liegt, feucht ist, nicht so stark austrocknet, vor Frost und Kaltluft geschützt ist. Auch eine Verfilzung (Vermoosung) ist in diesem Bereich nicht ausgeprägt. Anders an den alten Standorten; hier fehlen Schattenbereiche und Feuchtigkeit und die Grasnarbe verdichtet sich unter anderem durch eine Vermoosung. Ophrys apifera ist eine Pionierart, die ein locker bewachsenes Gebiet besiedelt, aber aus dem Gebiet im Laufe der Jahre wieder verschwinden kann, wenn der Pfanzenbewuchs sich verdichtet. Dies würde aber bedeuten, dass dieser Orchidee durch Pflegemassnahmen ein Primärbiotop angeboten werden müsste.
Für die meisten Orchideenbiotope gilt, dass bei einer einseitigen Nutzung (und eine einmalige Mahd ist nun mal einseitig) bei verändertem Pflanzenspektrum spezielle Eingriffe notwendig werden. Der Grund liegt hauptsächlich in der Verbuschung (wie im süd-östlichen Teil des Lehrpfades), der Bodenbedeckung (Zunahme des Pfeifengrasses) und in der Veränderung der Bodenpilze. Jede Pflanzenart hat ihr Mycorrhiza-Spektrum und diese Bodenpilze verdrängen sich gegenseitig. Die Mycorrhiza der Orchideen sind nicht auf die Orchideen spezialisiert, ihre Partner sind andere Pflanzen; die Orchidee ist lediglich der „Dritte im Bunde“, der spezialisierte Nutz­niesser. Wenn die „Mycorrhiza-Mutterpflanzen“ verschwinden, so verschwinden auch die zugehörigen Pilze und somit die Orchideen. Dies kann Platz für neue Arten (auch Orchideen) schaffen und trägt zur Evolution eines Biotopes bei.

Verbuschung auf dem Lehrpfad, Foto: Thomas Ulrich
Verbuschung auf dem Lehrpfad nimmt trotz jährlicher Mahd zu. Hier wird es einen Sondereinsatz im Jahr 2011 geben. Die Espe als Pionierbaum erobert sehr schnell eine „freie“ Fläche. Welchen Einfluss ihre Verbreitung auf die Mycorrhiza-Population in einem Halbtrockerasen hat, ist bisher noch unbekannt.
Gelegenheitsbesucher auf dem Lehrpfad, März 2008, Foto: Thomas Ulrich
Gelegenheitsbesucher auf dem Lehrpfad März 2008.

 

Spezielle Bemerkungen zur Schmetterling-Biotoppflege

Eine weitere Fundgrube für konkrete Pflegemassnahmen findet sich im „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“[5]. Einerseits speziell für den Erhalt der Schmetterlingsbiotope konzipiert, zeigt es andererseits die Komplexität einer effizienten Pflege auf, um den Erhalt der Insektenwelt in einem Biotop zu sichern.
Speziell Schmetterlinge sind teilweise anspruchsvoll. In der Regel sind die Futterpflanzen der Raupen verschieden von den Nektarpflanzen der Falter. Schmetterlingsblütler (Fabaceae) dienen etwa der Hälfte der Schmetterlingsarten der Kalk-Halbtrockenrasen als Futterpflanze ihrer Raupen. Den Faltern dienen vor allem die rot bis lila blühenden Pflanzenarten, wie die diversen Flockenblumenarten, als Nektarquelle. Symbiotische Gemeinschaften einiger Bläulingsarten mit Ameisen stellen zudem zusätzliche spezielle Anforderungen an das Biotop.
Viele Schmetterlingsarten benötigen offene Stellen als Ruheplätze oder zur Eiablage in der Nähe der Futterpflanzen. An Grashalmen verpuppen sich viele Raupen in Bodennähe und überwintern somit geschützt. Auch hier gilt es durch die Bewirtschaftung den Artenreichtum an Pflanzen zu erhalten. Als wichtigste Massnahmen neben dem Erhalten der Futter- und Nektarpflanzen ist das Erhalten von Verpuppungsplätzen. Ungeeignet ist das einheitliche, grossflächige Mähen dicht über der Grasnarbe.
Speziell, um der Verbuschung entgegen zu wirken, können und werden in diesen „Schmetterlings-Biotopen“ Schafe oder Ziegen in einer lockeren, einmaligen Beweidung eingesetzt, in orchideenreichen Biotopen jedoch gezielt nur im Herbst.
Soweit in aller Kürze einige Bemerkungen zur Pflege von Schmetterlingsbiotopen. Im Prinzip ist diese Pflege gar nicht so verschieden von der Pflege der Orchideenbiotope.

Zusammenfassend kann man folgende wichtige Massnahmen ableiten:

•    Mähzeitpunkt zur Ruhezeit der unterirdischen Triebe auswählen.
•    Sorgsam räumen, um die Winterrosetten nicht zu schädigen, falls diese schon ausgetrieben haben.
•    Beim Mähen, Mähbalken u.U. etwas höher einstellen vor allem im Bereich der Ophyrs- und Aceras-Populationen; dies hilft auch den Puppen der Schmetterlinge.
•    Ungemähte Stellen nach dem Pflanzenspektrum aussuchen.
•    Bodenstrukturen öffnen und Vermoosung beseitigen, um Kleinklimazonen für Insekten und Samen zu schaffen.
•    Gebüsch gezielt wachsen lassen und pflegen, um Schattenbereiche zu schaffen, Verpuppungsmöglichkeiten zu bieten (dient auch als Nistplätze für Vögel).
•    Konsequent gegen Verbuschung und Pfeifengras vorgehen und dieses effizient eliminieren (vielleicht helfen Ziegen doch?).

Literatur

[1] Peter, Ruedi „ Pflege nach Mass“; ORNIS April 2002/Nr. 2 Seite 10-13
[2] Maier, Rudolf „Der Bisamberg“ – Naturinsel am Rande einer Millionenstadt“ S. 72-85; Natural Heritage: Heimische Orchideen in Österreich und Deutschland; 1. Fachtagung 23. - 24.Nov. 2007
[3] Töpfer, Otmar „Ratschläge zur Pflege von Orchideenbiotopen“ AHO Thüringen e.V. Uhlstädt-Kirchhasel 2005
[4] Passin, Jürgen „20 Jahre Biotoppflegemassnahmen der AHO-Gruppe Koblenz im AHO Rheinland-Pfalz/Saarland: Ein kritisches Resümee“
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 25(2) 43-70 2008
[5] „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“ LÖBF-Reihe Arten­schutz 1997; Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten, 45659 Recklinghausen – leider vergriffen
[6] „Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete“, Hans R. Reinhard, Peter Gölz, Ruedi Peter, Hansruedi Wildermuth; Fotorotar AG 1991
[7] Daten aus der jahrelangen Lehrpfad-Kartierung von Ruedi Leibbach, AGEO

 

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Aktualisiert 02. 12. 2010

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