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Orchidee  des  Jahres

2016/2017 Jahr der Traunsteinera globosa



Kugelorchis: Orchidee des Jahres 2016/17, Foto Christophe Boillat Jedes Jahr bestimmen die beiden Kar­tierungs­verant­wort­lichen im Vorstand eine Orchi­deen-Art, der in der kom­men­den Sai­son beson­dere Auf­merk­sam­keit bei der Feld­arbeit geschenkt wird. Bei der Auswahl der Orchidee des Jahres wird zum einen da­rauf geachtet, dass neben attrak­tiven, eher seltenen Arten auch Orchi­deen zum Zuge kommen, die in der Schweiz weit ver­brei­tet sind und gerade deshalb vielleicht nur eine vergleichs­weise geringe Anziehungs­kraft auf Orchideen­freunde aus­zu­üben vermö­gen. Anderer­seits spielt beim Fest­legen der Orchi­dee des Jahres die Erreich­bar­keit der Stand­orte eben­falls eine wich­tige Rolle. Gewisse alpine Gebiete des Landes sind unzu­gäng­lich oder nur mit grossem Auf­wand zu erreichen, was dazu führt, dass einige in der Schweiz vor­kom­men­de Orchi­deen-Arten nicht unbe­dingt für das „Jahr der…“ geeignet sind, obwohl gerade bei diesen in Bezug auf die Verbrei­tung noch vieles möglich wäre (Chamorchis alpina, Nigritella rubra).

Ist die „Orchidee des Jahres“ einmal auserkoren, so geht es daran, sämtliche in der Literatur aufgeführten, meist ungenauen oder gar fehlerhaften Fundortangaben dieser Art aufzuarbeiten. Walter Schmid und Ruedi Irniger investieren Monate in diese aufwändige Arbeit, die oft auch detektivisches Gespür erfordert. Da viele Literaturzitate älteren Datums sind, müssen zur Vervollständigung der nötigen Kartierungsangaben auch längst überholte Landeskarten herbeigezogen werden. Flurnamen sind erfahrungsgemäss nichts Festes, Gegebenes und daher einem stetigen Wandel unterworfen. In den vergangenen fünfzig Jahren veränderten sie sich besonders in intensiv genutzten Tieflagen; manche wurden weggelassen, andere wiederum den sprachlichen Gepflogenheiten der heutigen Zeit angepasst. Trotz aller zur Verfügung stehender Hilfsmittel ist es manchmal nicht möglich, die in den Florenwerken erwähnten Fundortangaben mit verlässlichen Koordinaten zu versehen. In solchen Fällen sind die Kartierungsverantwortlichen gezwungen, so genannte „provisorische Koordinaten“, d.h. willkürlich gesetzte, als Anhaltspunkt zu verwenden (Wie entstehen provisorische Koordinaten?).

Sämtliche aufgearbeiteten Literaturangaben werden schliesslich mit spezieller Kennung in die AGEO-Datenbank integriert. An der Generalversammlung, die jeweils im Februar stattfindet, verteilen Walter Schmid und Ruedi Irniger neben vielen nicht mehr aktuellen AGEO-Angaben auch die bearbeiteten Literaturdaten an interessierte Kartierer.
Die Feldarbeit bei der „Orchidee des Jahres“ gestaltet sich vor allem bei älteren Literaturangaben zum Teil recht aufwändig. Ursprüngliche Fundorte können infolge fortschreitender Veränderungen in der Landschaftsstruktur (intensive Bewirtschaftung, hohe Siedlungsdichte, Industrialisierung) in vielen Fällen nicht mehr bestätigt werden. Das bedeutet, dass der für das Gebiet zuständige Kartierer nach anderen potentiellen Standorten suchen muss, was viel Zeit, aber auch fundierte Kenntnisse über das spezifische Biotop der Orchidee erfordert.

Alle Fundmeldungen zur „Orchidee des Jahres“ werden bis spätestens Ende Jahr an Ruedi Irniger geschickt, der zusammen mit Werner Hottinger für die detaillierte Auswertung besorgt ist. Das Ergebnis dieser sehr gezielten Orchideensuche fällt dank des grossen Einsatzes aller Mitwirkenden auch bei seltenen Arten durchwegs erfreulich aus und wird jeweils im AGEO-Mitteilungsheft und auf dieser Homepage veröffentlicht.


Kontaktperson bei allgemeinen Literaturfragen: Walter Schmid (044 942 22 06)
Kontaktperson bei Fragen zum „Jahr der…“: Werner Hottinger und Marc Schmidlin (jahr.der@ageo.ch)

 

2015: Gymnadenia conopsea
           Langspornige Handwurz
2013/2014: Ophrys insectifera
           Fliegen-Ragwurz
2011/2012: Dactylorhiza sambucina
           Holunder-Fingerwurz
2010: Epipactis helleborine
           Breitblättrige Stendelwurz
2008/2009: Listera cordata
           Herzförmiges Zweiblatt
2006/2007: Ophrys holoserica
           Hummel-Ragwurz
2005: Cephalanthera damasonium
           Weisses Waldvögelein
2004: Malaxis monophyllos
           Zartes Einblatt
2003: Jahr des Kanton Aargau

2002: Epipactis atrorubens
           Braunrote Stendelwurz
2001: Limodorum abortivum
           Violetter Dingel

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Aktualisiert 22. 02. 2016

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