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Kartierungsexkursion vom 4. Juni 2005 im Gebiet rund um Wynigen im Oberaargau (BE)

Bericht der Gruppe Ruedi Irniger von Kurt Stucki (Fotos: Thomas Ulrich)

Zur Einführung


Nach der Begrüssung durch Albert Kurz am Bahnhof Wynigen und der Aufteilung in die einzelnen Kartierungsgruppen Fahrt mit dem Auto nach Ochlenberg. Zur Gruppe Ruedi Irniger haben sich Beate Waldeck und Thomas Ulrich mit ihrem munteren Sohn Julian und ich zusammengefunden. Unter der strammen Führung von Ruedi geht es nun hinaus in die Natur. Ziel: Suchen und Kartieren von Orchideen im Raum südlich Ochlenberg; Winigshus - Chappu - Cholishus - Törigrabe - Ryschberg. Höhenlage: 565 m bis 700 m ü. M. (kollin-submontan). Geologie: Obere Meeresmolasse (OMM Burdigalien-Miozän) des Napfschuttfächers im Übergangsgebiet Emmental-Mittelland, Kt. Bern. Weitere Details siehe Exkursionsblatt im AGEO-Mitteilungsheft Nr. 1 vom 9.3.2005.

Zur allgemeinen Vorgehensweise bei der Kartierung von Orchideen

Landschaftsfoto: Foto Thomas Ulrich
Begehen von Wald- und Flur-, Fahr- und Feldwegen aller Klassen, in weglosen Gebieten hinab über steile Wiesenhänge und wieder hinauf durch dichte Hochstaudenfluren, über Stacheldraht- und Brombeerhindernisse hinweg (oder auch mal dicht am Boden unten durch) nur immer geradewegs hinein in die düsteren Tannenwälder. Und gnadenlos geht's weiter kopfüber ins dichte Unterholz, durch diese Bachaue hinaus in jene sumpfige Wiese (alles gemäht, nur natürlich nicht die mannshohen Brennnesseln) und gleich hinüber zum lichten Laubmischwald und über noch steilere Waldabhänge hoch hinauf zum (vermuteten) Halbtrockenrasen. Feuchtglitschiges Wurzelwerk dient jetzt als unverzichtbare Aufstiegs-, Abstiegs- oder Quergangshilfe in der stark coupierten Geländekammer (ein Traum für einen Infanterie-Instruktor alter Schule). Ganz gewöhnliche Bergsteiger (also solche wie Du und ich) verwenden bei analogen Verhältnissen im Gebirge so Begriffe wie "Gehen in ausgesetztem Gelände unter Annäherung an den Schwierigkeitsgrad 7+" oder schlicht und einfach "senkrecht bis überhängend". Das muss man sich einfach einmal vorstellen!
Orchideenjäger vom Schlage eines Ruedi Irniger scheinen da über keinerlei Schmerzgrenzen zu verfügen. Dort oben könnte ja vielleicht doch noch irgendeine klitzekleine, bislang vor der Weltöffentlichkeit verborgene und auf ihre endliche Kartierung wartende Orchidee vorkommen.

Zur speziellen Vorgehensweise bei der Kartierung von Orchideen

Foto Thomas Ulrich

Art, Zustand, Stückzahlen sowie Fundort-Koordinaten notiert der Ruedi (um keine Zeit zu vertrödeln) im Laufschritt in seinen Standblättern. Die chemische Reaktionsfähigkeit dieses oder jenes Waldbodens rapportiert der Thomas auch während der heikelsten Klettermanöver sprachlich klar und für jedermann verständlich - gerade jetzt wieder suchte er einen sicheren Stand im abschüssigen "Chrachen". Beates Adlerauge erkennt selbst während der Autofahrt durch den dämmerigen Forst eine vertrocknete, vorjährige Nestwurz aus dem Beifahrersitz heraus (ohne auch nur den geringsten Anflug eines Zweifels in ihrer Aussage). Und, es darf nicht unerwähnt bleiben, der Julian unterstützt seine Eltern in deren sinnvollem Tun durch grossen jugendlichen Enthusiasmus und mit Ausdauer!

Ergebnis

Ich bin hingerissen ob so viel professioneller Methodik im Felde, denn das Ergebnis kann sich schliesslich sehen lassen. 8 Arten haben wir gefunden in diesem orchideologischen Neuland: Cephalanthera damasonium, C. longifolia, Epipactis Sp.?, Neottia nidus-avis, Listera ovata, Platanthera Sp.?, Dactylorhiza fuchsii und Orchis mascula. Das Tagestotal mit 11 Arten ist wohl für alle Teilnehmer ein überraschend reiches Ergebnis. Der anhaltenden Auswaschung mit Versäuerung der oberen Bodenschichten - Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), Rundblättrigem Wintergrün (Pyrola rotundifolia), Weisslicher Hainsimse (Luzula luzuloides) und Rasen-Schmiele (Deschampsia caespitosa) sind wir doch recht oft begegnet - steht offenbar ein gewisser von unten nach oben gerichteter Nachschub an Kalziumkarbonat aus den Kalknagelfluhen und Kalkmergeln der Molasse-Ablagerungen entgegen. Ruedi kann wieder einen weissen Fleck in seinem Kartenwerk tilgen. Wer würde da seine Genugtuung nicht nachvollziehen können?

Verschiedenes

Das Wetter: allerletzte Regentropfen während unserer Fahrt nach Ochlenberg, im weiteren Tagesverlauf stark bewölkt, zeitweise sogar etwas sonnig. Also, mächtiges Glück gehabt! In der einzigen kleinen Trespen-Glatthaferwiese fanden wir zudem eine bemerkenswert schöne Kolonie von Sedum telephium ssp. telephium (Purpurrotes Fettkraut, kraftvoll austreibend) sowie einige zerstreute Dianthus carthusianorum s.l. (Kartäuser-Nelke, schön blühend). Akustisch stimmungsvolle Begleitung hatten wir während des ganzen Tages durch die Gesänge von Ringeltaube, Rotkehlchen, Zaunkönig, Wintergoldhähnchen (in unserer Nähe, dann vermag ich sie gerade noch zu hören!), Waldbaumläufer, Tannen- und Haubenmeise, Kleiber, Amsel, Mistel- und Singdrossel sowie Buchfink. Am Ende unserer abenteuerlichen Expedition meinte ein argwöhnischer Eichelhäher, er müsse jetzt noch schnell seine Mitwelt durch lautes Krächzen alarmieren und über unser Erscheinen in Kenntnis setzen! Oder wollte er sich vielleicht nur auf seine ganz eigene Art und Weise von uns verabschieden - wer weiss das schon?! Für mich jedenfalls war es ein denkwürdiger Tag und an die Gruppe Ruedi Irniger ein herzliches Danke für die guten Gespräche und die tolle Kameradschaft!

Bericht der Gruppe Walter Schmid von Jakob Gnägi,

mit Ergänzungen von Walter Schmid

Die Wetterprognose lautete nicht gerade einladend, aber der ganze Tag blieb trocken, genau wie im letzten Jahr.
Der Gruppe von Walter Schmid mit Marianne Kurz und Jakob Gnägi schloss sich noch die ganze Familie von Jakobs Sohn, Peter Gnägi, an, die in Wynigen wohnt.
Uns war der grösstenteils bewaldete Hügel "Steinenberg" zugeteilt (634 m hoch, mit etlichen erratischen Blöcken bestückt) sowie der Ostteil des ausgedehnten "Grossholz"-Waldes, der südwestlich des Steinenberges liegt.
Die Begehung begann im Weiler "Riedtwil", NNE von Wynigen, wo auch die Autos parkiert waren.
Den ersten Motivationsschub erhielten wir bereits einige Meter nach dem Start, als ein scharfer Kennerblick von Walter am Waldbord eine Neottia nidus-avis entdeckte und etwa 200 m weiter eine Platanthera bifolia hell aus dem Dunkel der Bäume hervorleuchtete. Dieser Anfang liess hoffen.
Beim Gehöft "Steinhölzli", inmitten einer weiten Waldwiese, begrüsste uns der Wacht habende "Bäri". Eine längere Wegschleife durch meist mit hohem Grünwuchs bedeckten Laubwald blieb ohne Erfolg. Erst am Ende der ganzen "Steinenberg-Tour" zeigte sich zu unserer Freude eine prächtige Cephalanthera longifolia (westlich Obergade) und wenig weiter unten dann noch die speziell gesuchten Cephalanthera damasonium. Um 12 Uhr machten wir unter einer Linde beim Weiler "Spiegelberg" die Mittagsrast.
Der "Grossholz"-Wald war uns nicht wohlgesinnt und versteckte alle Orchideen wahrscheinlich an einem geheimen Ort. Erst auf dem Rückweg zum Parkplatz, entlang des Waldsaumes auf der Südostseite des Steinenberges, konnten wir noch ein weiteres Exemplar der Cephalanthera damasonium aufspüren. Nahe dem Parkplatz zeigte uns Walter im Fichtenjungwald einige kleine Pflänzchen, die vermutlich einmal blühende Epipactis helleborine werden wollen.
Wie vermutet, war unser Untersuchungsgebiet nicht besonders reich an Orchideen. Die Exkursion wurde aber immerhin mit 5 festgestellten Arten erfolgreich abgeschlossen.

Bericht der Gruppe Albert Kurz von Albert Kurz

Obwohl der Wetterbericht nicht gerade einladend lautete, fand sich eine ansehnliche Gruppe von Wanderern und Orchideenwissbegierigen beim Bahnhof Wynigen ein. Bei der Besammlung und Orientierung fielen die letzten Regentropfen. Die Sonne zeigte sich bald und half mit, dass der Tag wandernd angenehm verbracht werden konnte. In 4 Gruppen schwärmten die Leute aus, um die Gegend auszukundschaften. Die Gruppen führten Kurt Buchecker, Ruedi Irniger, Walter Schmid und Albert Kurz.
Am Nachmittag traf man sich im Restaurant "Bahnhof". Es wurde Rückschau gehalten. 10 Orchideenarten wurden gefunden, und das in einem Feld, in dem keine Angaben vorhanden waren! Die Suchaktion ist sicher als Erfolg zu werten. In vielen Gebieten ist der Boden oberflächlich sauer. Zudem sind keine eigentlichen Riedwiesen vorhanden. Nicht jede Gruppe fand gleich viele Arten. Ein besonders "gutes" Gebiet war rund um die Ruine Grimmestei mit allein 6 Arten.
Neben dem Orchideensuchen konnte man ein schönes Gebiet am Rande des Emmentals kennen lernen.

Orchideen
Cephalanthera damasonium      Weisses Waldvögelein
Cephalanthera longifolia Langblättriges Waldvögelein
Cephalanthera rubra Rotes Waldvögelein
Dactylorhiza fuchsii Fuchs' Fingerwurz
Epipactis atrorubens Braunrote Sumpfwurz
Epipactis helleborine Breitblättrige Sumpfwurz
Listera ovata Grosses Zweiblatt
Neottia nidus-avis Vogelnestwurz
Orchis mascula Stattliche Orchis
Platanthera bifolia Zweiblättrige Waldhyazinthe
Einige Pflanzen, die Säurezeiger sind und die gesehen wurden
Luzula nivea Schneeweisse Hainsimse
Maianthemum bifolium              Zweiblättrige Schattenblume
Moehringia trinervia Dreinervige Nabelmiere
Stellaria graminea Grassternmiere
Vaccinium myrtillus Heidelbeere
Veronica officinalis Gebräuchlicher Ehrenpreis
Veronica urticifolia Nesselblättriger Ehrenpreis

Ein herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen der Exkursion sowie deren "Dokumentation" beigetragen haben.
Jakob Gnägi, Albert Kurz, Kurt Stucki

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Aktualisiert 10. 03. 2009

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