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Kartierungsexkursion Dürrenroth 7.6.2008

Texte: Albert Kurz, Walter Schmid, Armin Rosenberg & Therese Würsch, Peter Härtsch

19 Personen fanden sich in Dürrenroth ein, um in einem weissen Feld der AGEO – Kartei Orchideen zu suchen. Das Gebiet im Emmental ist sehr hügelig, was die Orientierung nicht ganz leicht machte. Es gibt dichte Tannen– und Buchenwälder. Die offenen Flächen werden intensiv bis sehr intensiv genutzt. Geweidet wird teilweise bis in den Wald hinein. Ackerbau wird an Hängen mit beachtlicher Neigung betrieben. Die Wiesen werden fleissig gemäht. Artenreiche Heuwiesen sind nur ganz spärlich zu finden. Nassgebiete sind nur wenige vorhanden. Im Gebiet hat es zwar einige Nagelfluhfelsen, aber Kalk ist nicht so viel vorhanden. Die Oberfläche ist weit herum sauer. Brombeeren sind auch recht häufig. Dies alles führt dazu, dass die Bedingungen für Orchideen nicht so gut sind. Die Erwartungen waren daher eher bescheiden. Doch wenn man genauer hinschaut, ist doch einiges vorhanden, wie das Resultat zeigt.

Die 3 Gruppen fanden 227 Orchideenpflanzen in 9 Arten. Der Zustand reicht von Rosetten über Knospen bis zu Blüten. Ein ganz erstaunliches Resultat. Die Standorte sind über den ganzen Quadrant verteilt. Die Tatsache, dass an den Wegrändern oft Orchideen wachsen, hängt wohl damit zusammen, dass die Nutzung anders ist, dass mehr Licht vorhanden ist, oder dass mehr Kalk an der Oberfläche ist.

Gefundene Orchideen:

Art lateinisch Art deutsch Anzahl Pflanzen
Cephalanthera damasonium    Weisses Waldvögelein 4
Dactylorhiza fuchsii Fuchs’s Fingerwurz 83
Dactylorhiza majalis Breitblättrige Fingerwurz 30
Epipactis atrorubens Braunrote Sumpfwurz 3
Epipactis helleborine Breitblättrige Sumpfwurz 39
Listera ovata Grosses Zweiblatt 4
Neottia nidus-avis Nestwurz 14
Platanthera bifolia Zweiblättrige Waldhyazinthe    49
Platanthera montana Grünliches Breitkölbchen 1

Trotz sehr nassen Bedingungen, war die Exkursion sicher ein Erfolg, wie man aus den 3 folgenden Teilberichten erkennen kann.
Text: Albert Kurz



Kartierungsexkursion Gruppe 1 (Walter Schmid)

Teilnehmer dieser Gruppe: Stella Brunner, Guido Fässler, Ursula Lienhard, Rösli Ludwig, Gundolf Meyer, Walter Schmid.
Leiter der Gruppe: Walter Schmid.

Route: Dürrenroth – Fuchsloch – Rotwald – Häusernmoos – Schweikwald – Huebbach - Bannholz – Hewald – Pfaffegrabe – Dürrenroth. Wanderstrecke ca 9.5 km; zwischen 684 m und 802 m ü. M.

Nach der Besammlung aller Teilnehmer beim Restaurant „Bären“ formierten sich die einzelnen Gruppen und erstellten Marschbereitschaft. Bereits hervorgekramtes Regenschutzmaterial konnte kurz vor dem Abmarsch um 10 Uhr 40 wieder in die Rucksäcke gepackt werden, da der Regen eine Pause einlegte, die glücklicherweise bis zum Abend andauerte. Die ersten 700 – 800 m mussten auf der Dorfzufahrtstrasse zurückgelegt werden. Dabei konnte man stattliche Bernerhäuser beobachten, sich an einer Hühnerschar einer speziellen hübschen Rasse erfreuen und beim „Gärbihof“ eine interessante Häusergruppe mit einem nach alter Tradition angelegten Garten bestaunen.
An der östlichen Ecke des „Rotwaldes“ teilte sich die Equipe in zwei Gruppen auf. Drei Personen kontrollierten das Gebiet westlich „Fuchsloch“. Der in der Karte eingezeichnete Feldweg war jedoch grössten Teils in der Weide aufgegangen. Überklettern von Zaundrähten war nun angesagt sowie Umgehen der vielen Kuhfladen. Orchideen zeigten sich keine, weder im Waldsaum noch am Weiderand.
Die zweite Gruppe nahm den Wanderweg mit Einstig im NO – Teil des „Rotwaldes“ und hatte ein erstes Erfolgserlebnis. Am Wegrand entdeckten sie eine kräftige Blattrosette einer Epipactis helleborine. Etwas später trafen sich die beiden Gruppen beim Wegkreuz Pkt. 701 wieder. Tiefe Pneuspuren im Weg offenbaren, mit welch schwerem Gerät hier gearbeitet wurde.
Auf gutem Weg ging es nun weiter in südlicher Richtung quer durch den Wald, der etwa zu 2/3 aus Weisstannen, 1/3 Rottannen und sporadisch eingestreuten Buchen (manchmal Gruppen) zusammengesetzt ist. Der oft moosreiche Waldboden ist stellenweise fast flächendeckend mit Heidelbeeren überwachsen, manchmal herrscht auch Brombeergestrüpp vor oder an passenden Stellen Brennnesseln. Eingestreut sind immer wieder Farne, fast konstant war die Schattenblume (Maiantheum bifolium) präsent, selten behaarter Günsel oder Goldnessel. Es dürften hier also ziemlich saure Bodenverhältnisse vorliegen.
Oben, am Fahrweg angekommen ein zweites Erfolgserlebnis: Eine blühende Platanthera bifolia, drei Rosetten von Epipactis helleborine (im Herbst als Fruchtstände beobachtet), sowie eine weitere Rosette, die vermutlich zu Epipactis atrorubens zu stellen ist.
Anschliessend folgte eine zweite Waldquerung in nordwestlicher Richtung mit Weitermarsch an die NW – Ecke des Rotwaldes, wo eine günstige Stelle mit Sitzgelegenheiten und Moospolstern zur Mittagsrast einlud. Die Luft war zwar kühl, aber zum Verweilen nicht unangenehm. Vor dem Aufbruch um 13 Uhr blieb für Ursula Lienhard noch genügend Zeit um einige Moosproben einzusammeln, die sie dann zu Hause genauer untersuchen wollte.
Nun ging es leicht abwärts bis „Under Waltrige“, ein kleiner Weiler mit wenigen behäbigen Berner Bauernhäusern samt den fast obligaten Lindenbäumen in der Nähe und einem grossen, etwas speziellen Garten. Hier machten wir einen kleinen Abstecher zu einer zum Teil bewaldeten alten Sand- oder Kiesgrube, leider ohne Funderfolg. Im ganzen Gebiet wird das Gelände enorm stark genutzt, entweder als artenarme Mähwiesen, als Weiden bis in den Waldsaum hinein oder zum Anbau verschiedener Getreidearten und Raps. Nischen für Orchideen sind fast zu 100 % ausgeschlossen, eine Fläche mit typischen Wiesenblumenarten kaum irgendwo auszumachen.
Weiter ging es nun Richtung „Schweikwald“, wo im davor liegenden Waldstück eine Stelle mit vier E. helleborine-Rosetten am Wegrand zum Vorschein kam. Im ganzen Gebiet „Schweikwald“ wurden dann noch vier Stellen mit Platanthera bifolia (10 Ex.) und drei Stellen mit Rosetten der Epipactis helleborine (10 Ex.) entdeckt, immer am Wegrand. Dazu stellt sich die Frage, ob der eingebrachte, ortsfremde Weg- oder Strassenschotter in direktem Zusammenhang mit Orchideenvorkommen an Wegrändern steht, oder ob der verbesserte Lichteinfall hier eine Rolle spielt.
Im Ostteil des „Schweikwaldes“ bildeten wir wieder 2 Gruppen. Die eine marschierte direkt zum Weiler „Wolferdingen“, die andere auf einem Umweg durch hügeliges Gelände über „Brunne“. Stella Brunner entdeckte südöstlich „Brunneloch“ direkt neben der Strasse eine Dactylorhiza fuchsii in einer Mähwiese, die wohl bald geschnitten sein wird.
Ab „Wolferdingen“ ging es wieder vereint auf dem Fahrweg über Huebbach – Bannholz – Pfaffegrabe zurück nach Dürrenroth, mit Ankunft um 15 Uhr 30 beim „Bären“, fast zeitgleich mit der Gruppe Ruedi Irniger. Auf dem letzten Teilstück gab es wieder einige interessante Häuser zu sehen, manchmal auch ungestümes Jungvieh in den Weiden. Zudem musste Stella Brunner einen halbwüchsigen Hund zur Umkehr bewegen. Den Westteil des „Hewaldes“ liessen wir aus, da der Berichterstatter vor vierzehn Tagen dort nachgesucht hatte. Auf diesem letzten Abschnitt haben wir nicht eine einzige Orchidee finden können, nur ein kleines Landstück mit ein paar wenigen Wiesenblumenarten registriert.
Dank Wetterglück (wenn auch ohne Sonnenschein) verlief unsere Kartierungsexkursion angenehm, kurzweilig und auch nicht besonders strapaziös. Ich denke, dass trotz der prognostizierten, spärlichen Orchideenfunde alle Gruppenmitglieder mit dem Tagesverlauf zufrieden sein können.

Kartierungsexkursion Gruppe 2 (Armin Rosenberg & Therese Würsch)

Neunzehn, mehr oder weniger wetterfeste Weiblein und Männlein begeben sich in Dürrenroth auf eine Kartierungs-Exkursion. Trotz leichtem Regen möchten sie herausfinden, welche und wie viele Orchideen vorhanden sind.
Wir teilen uns in 3 Gruppen auf. Wir schliessen uns Ruedi Irniger an, der die Gruppe 2 anführt. Unser Ziel ist das Gebiet „Roterhorn“. Wir stapfen recht lange durch Strässchen, Weglein und hohes, nasses Gras bis endlich die ersten Orchideen (5 kleinere Nestwurz - Neottia nidus-avis) sichtbar sind. Etwas später, in der Region „Erdburg“ erspähen wir ein Bleiches Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), eine Grünliche (Platanthera montana) und 4 Zweiblättrige Waldhyazinthen (Platanthera bifolia), 3 Nestwurz (Neottia nidus-avis) und 3 sterile Grosse Zweiblätter (Listera ovata).
Nach diesen "ergiebigen" Funden meldet sich schon bald der leere Magen; wir waren froh die mitgebrachte Verpflegung in einem trockenen Schuppen verzehren zu können. Ruedi teilt seine Wurst mit einem stattlichen Kater, der immer wieder nach Essbarem und noch viel mehr nach Streicheleinheiten trachtet.
Nach der Verpflegung machen wir uns wieder auf die (nassen) Socken. Leider finden wir trotz der inzwischen trockenen Witterung keine ergiebigen Orchideenplätze. Einziger Lichtblick bilden im Gebiet „Bärhegechnübeli“ 7 Nestwurz (Neottia nidus-avis) und eine Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) und im „Oberhorn“ etwa ein Dutzend Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) sowie eine Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera montana).
Wir lernen, dass nebst dem kleinen Zweiblatt auch Heidelbeersträucher, Rippenfarn, gebräuchlicher Ehrenpreis, gemeine Hainsimse, gemeiner Sauerklee oder der kleine Sauerampfer sauren Boden bevorzugen. Wir suchen aber vergeblich nach der Orchidee des Jahres. Wahrscheinlich haben uns umherziehende Nebelschwaden die Sicht beeinträchtigt!
Der letzte, steile und leider vergebliche Aufstieg auf ein Hochplateau schaffen nur die Hälfte der Teilnehmer; die anderen müssen aufgeben, weil der Anstieg nur noch einer glitschigen Rutschbahn gleicht.
Wir wandern zurück zu den Autos. Ruedi und Peter bringen uns zum Gasthof Bären zurück, wo wir uns etwas aufwärmen können. Einige Zeit später treffen auch die beiden anderen Gruppen im Gasthof ein. Dabei erfahren wir, dass die Gruppe Albert mehr Glück bei der Orchideensuche hatte.
Trotz der kleinen Ausbeute haben wir von dieser Exkursion profitieren können. Wir haben wieder nette AGEO-Freunde kennen gelernt und Neues über die Orchideen erfahren können. Wir danken allen Beteiligten für das gute Gelingen der Exkursion.

Kartierungsexkursion Gruppe 3 (Peter Härtsch)

An diesem feuchten Samstagmorgen versammelten sich 19 AGEO’ler beim Restaurant Bären in Dürrenroth. Albert Kurz hatte wie immer gute Vorarbeit geleistet und die Ankommenden in drei Gruppen unter der Leitung von Walter Schmid, Ruedi Irniger und für sich selber eingeteilt. Die erste Gruppe wanderte direkt von „Dürrenroth“ und die beiden anderen fuhren zuerst mit einigen PKW’s näher ans Napfgebiet heran.
Die dritte Gruppe unter der Leitung von Albert Kurz fuhr nach „Mannhus“. Von dort stiegen wir bei weiterhin feuchtem Wetter zur „Mälcherweid“ hoch. Im Bereich dieser Weide, die z.T. noch einige Feuchtbiotope enthält, sahen wir die grösste Anzahl von Orchideen; Platanthera bifolia (einige blühende und gegen 20 Rosetten), Dactylorhiza fuchsii knospig bis blühend ca. 50 und Dactylorhiza majalis blühend ca. 30 Exemplare.
Im weiteren Verlauf der Wanderung über Hornbachegg – P. 1001 – Hornbachberg – Gitzichnübeli – Freudigenegg – P. 970.5 – Roggergrat zurück nach „Mannshus“ sowie auf der Rückfahrt sahen wir noch die folgenden Arten: Cephalanthera damasonium (knospend), Dactylorhiza fuchsii (blühend), Epipactis atrorubens (Rosette und knospend), Epipactis helleborine (Rosetten und knospend), Listera ovata (blühend), Neottia nidus-avis (knospend und blühend), Platanthera bifolia (blühend). Das ergibt in einem nicht mehr „guten“ Gebiet doch immerhin acht gefundene Arten für die Gruppe 3.
Für die Vorarbeit durch eine detaillierte Reko sowie die kundige Führung möchten wir Albert Kurz einmal mehr herzlich danken.

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Aktualisiert 23. 03. 2009

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