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Eine Wildbiene hat das Wort!

Was mir (Werner Schaufelberger) eine Wildbiene ins Ohr geflüstert hat; Fotos: Werner Schaufelberger und Thomas Ulrich

Für euch Menschen bin ich - im Gegensatz zur Honigbiene - eben eine Wildbiene. Mit viel Nützlichem und Informativem wurden schon viele Bücher gefüllt, auch im Internet steht neuerdings eini­ges über mich. Warum mich aber die Menschen Wildbiene titulie­ren weiss ich nicht genau, vielleicht weil ich ihnen keinen Honig für ihre „sonntagmorgens Honigbrötli“ liefere. Und doch bin ich bei genauem Hinsehen auch für euch nützlich, sonst wäre ich zu­sammen mit meinen ca. 700 Artgenossen gar nicht geschaffen worden. So will ich Euch nun erzählen, was ich diesen Frühling bis hinein in den Sommer erlebt habe.
Wildbienen-Hotel im zeitigen Frühjahr, Foto Werner Schaufelberger
An einem schönen Nachmittag im März - ich war erst kurz zuvor ausgeschlüpft - überflog ich rekognoszierend das Gebiet des Orchideen Lehrpfades. Da kommen doch zu so früher Jahreszeit drei Personen - eine Frau und zwei Männer - daher ge­stampft und stellen ein komi­sches Holzhaus in mein Re­fugium. Was soll das? Ich sah zu, wie altes Holz, Brom­beerstecken, Holunder­ste­cken, Schilfröhrchen, Schne­ckenhäuschen, sogar eine Tonplatte mit Löchern hinein gestellt wurden. Da ich von Geburt eine Mauerbiene bin, interessierten mich neben den vielen Hohlräumen auch die Schnecken­häuschen, die da wahllos im obersten Stock liegen. Sobald die drei Störenfriede für kurze Zeit weg waren, inspizierte ich das Ganze und entschied mich sofort für ein besonders schönes "Diheim" zuoberst mit schönster Aussicht; ich war ja schliesslich auch die Erste!
Hei - was sehen da meine Facettenaugen auf dem Schild? Es ist handelt sich nicht um ein Wirtshaus, nein um ein Hotel, speziell für uns Wild­bienen gemacht. Das wird bald einen schönen Andrang von vielen meiner Namensvettern und Verwandten geben, so dachte ich mir.
Vor dem Haus - pardon Hotel - gab es sogar einen Sandplatz. Ja klar, der ist für die Sandbienen bestimmt, die bohren sich nämlich ihre Nester bis 60 cm tief in den Boden, um ihre Eier abzulegen. Und wie ich vermutet habe, bin ich heute nicht mehr allein. Viele Freunde und Artgenossen haben ein gutes und schönes Zuhause gefunden und es herrscht ein ständiges Summen und ein Kommen und Wegfliegen. Man grüsst sich mit einem Augenzwinkern und schlüpft  in die reservierte Wohnung. Und doch muss man immer auf der Hut sein, es gibt auch Schma­rotzer unter uns Wildbienen. Die hocken dann einfach ins ge­machte Nest und ernähren sich von unserer Arbeit.
Jetzt aber noch etwas, was uns Bienen hier am meisten freut:
Die Umgebung! Wir haben das Privileg, in einem ganz speziellen Naturschutzgebiet zu sein. Es hat sich unter uns schnell herum gesprochen, was es alles zu besuchen gibt. "Hast du die Ophrys araneola, die Orchis mascula, die Orchis militaris und vieles an­dere schon gesehen?"
So tauschen wir untereinander Erfahrungen und Erlebnisse aus und sind den Menschen sehr dankbar, die das alles hegen und pflegen. Nur darum war für uns der Sommer schön und reich an Nahrung und somit erfolgreich.
Und doch habe ich an Euch die grosse Bitte, lasst dieselbe Sorg­falt den Orchideen, den anderen vielen schönen Blumen, den Grässern, den Sträuchern und den Bäumen angedeihen wie bis anhin.
Wir haben ein gutes und schönes Zuhause gefunden. Im Namen meiner Artgenossen danke ich allen, die uns besuchen und res­pektieren, von ganzem Bienenherzen.
Danke, dass ihr Euch für mein Gerede Zeit genommen habt, und wer weiss, vielleicht kann ich Euch wieder einmal Erfreuliches von uns berichten.
Herzliche Grüsse und ein herzhaftes Summen vom Orchideen- und Naturlehrpfad
Eure Mauerbiene

Und wie wurde das Wildbienen-Hotel im Laufe des Jahres angenommen?

Wildbienen-Hotel im Frühsommer, Foto Thomas UlrichWildbienen-Hotel nach 1 Monat, Foto: Thomas UlrichZurück zu Einzelberichte

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Aktualisiert 01. 10. 2009

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