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Das Kreuz mit dem Kreuzkraut

Text Thomas Ulrich


Das Jakobs Greiskraut Senécio jacobaéa (auch Jakobs Kreuz­kraut genannt) kommt in den letzten Jahren mehr und mehr unter Beschuss; dies wurde auch an unserer Generalversammlung vom 13.2.2010 thema­tisiert. Geht von dieser Pflanze eine reale Bedrohung aus und wenn ja welche? Berichte in Presse und Fernsehen sensibilisieren zusätzlich. [1b],[1c]

Vorkommen und Verbreitung

Das Jakobs Greiskraut (Senécio jacobaéa) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und zur Gattung der Greis- beziehungs­weise Kreuzkräuter (Senécio).
Der Name der Gattung kommt von den Samenständen, die weich und weiss an die Haare eines Greises erinnern; der Name Kreuz­kraut verweist auf die Fiederteilung der Blätter, die einem Kreuz ähnlich ist. Ausführliche Beschreibungen zum Gefahrenpotenzial des Jakobs Greiskraut und zu den notwendigen Massnahmen fin­det man in diversen Übersichten [2], die im Folgenden zusammenge­fasst sind; speziell erwähnenswert ist die Homepage vom „Arbeitskreis Kreuzkraut eV“[1a] sowie die Homepage von Prof.Dr. H. Wiedenfeld „Phytochemie Pharmazeutisches Institut – Uni Bonn“. [3a]
Das Jakobs Greiskraut ist eine einheimische Pflanze, von der eine Bedrohung ausgeht und die sich er­staunlicherweise seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhun­derts vermehrt ausbreitet. Sie kommt vor allem im Tiefland auf eher tro­ckenen und mässig nährstoffhaltigen Böden vor. Sie besiedelt Ru­deralflächen, ungenutzte Grünflächen, Strassen­böschungen, Bahntrassen aber auch unbesiedelte bzw. land­wirtschaftlich ge­nutzte Flächen (Bauerwartungsland, über­nutzte Weiden, Exten­sivweiden).
Hauptgrund für die Verbreitung ist, wie meistens, vom Menschen gemacht. Die Pflanze siedelt sich vornehmlich an Stellen an, wo eine man­gelnde Vegetationsbedeckung eine Keimung zulässt. Diese Lü­cken in der Vegetation entstehen durch eine späte Nutzung im Jahr, durch eine reduzierte oder vernachlässigte Narbenpflege und durch Bodenverletzungen (Trittschäden). Zusätzlich wurden bei der Begrünung von Strassenböschungen Greiskrautsamen ausgebracht.
Greiskräuter werden auf Grund ihres bitteren Geschmacks und Geruchs von Weidetieren gemieden und haben somit gegenüber anderen Pflanzenarten ei­nen Konkurrenzvorteil. Wahr­scheinlich an eine ungünstige Keimung angepasst, hat die Pflanze eine enorme Anzahl von Samen entwickelt (bis zu 150 000 pro Pflanze), die nun unter den neuen günstigeren Bedingungen zur enormen Ausbreitung beitragen.

Entwicklung

Das Jakobs Greiskraut entwickelt sich zweijährig. Die Pflanze bildet im ersten Jahr eine Blattrosette und  überwintert im diesem Stadium und bildet erst im Folgejahr eine Blüte aus. Die Blattro­sette stirbt vor Ausbildung des Blütentriebes ab, die seitlichen Blätter überdauern, sind tief fiederteilig, die Blattunterseite ist schwach behaart und die Blätter sollen beim Zerreiben unangenehm riechen.
Die Blütezeit ist im Hochsommer je nach Witterung ab Ende Juni bis Ende Oktober mit der Hauptblüte um den 25. Juli – dem Jakobstag – herum. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten und produziert eine hohe Anzahl von Samen, die im Übrigen bis zu 25 Jahre ihre Keimfähigkeit besitzen. Nach der Samenbildung stirbt die Mutterpflanze ab.
Neben der geschlechtlichen (generative) Vermehrung kennt die zweijährige Pflanze auch die vegetative Vermehrung, die bei einer Störung der Blütenentwicklung auftritt. Hier sind Eingriffe wie die Mahd bzw. unvollständige Bekämpfungsmethoden die Hauptur­sachen. Dies kann zur Bildung einer ausdauernden, mehrjährigen Staude führen – aus der Hauptwurzel bilden sich Wurzelknospen, die dicht an der Hauptpflanze stehen. Auch Wurzelbruchstücke können Adentivtriebe bilden, die die Population stärken.
Das Jakobs Greiskraut tritt häufig auf Pferdeweiden auf.
Aufgrund des artspezifischen Weideverhaltens der Tiere benöti­gen Pferdeweiden ein besonderes Augenmerk auf die Pflege. Unter anderem durch Trittschäden und eine geringe Grasnarbe kann sich hier das Jakobs Greiskraut leicht ansiedeln und aus­breiten. Regelmässiges Nachmähen, zeitgerechtes Nachsähen und angemessenes Düngen hilft die Grasnarbe geschlossen zu halten. Optimal ernährte und gepflegte Gräser sind konkurrenz­stark und bilden eine dichte Narbe, in der das Jakobs Greiskraut schwer Fuss fassen kann. Direkte Bekämpfungsmassnahmen sollten vorrangig mechanisch erfolgen, auch wenn der gezielte Herbizideinsatz erlaubt sein sollte.

Ökologischer Nutzen des Jakobs Greiskrautes [5]

Alle Greiskräuter, so auch das Jakobs Greiskraut, haben für eine Vielzahl verschiedener Insektenarten hohe Bedeutung als Lebensraum-, Pollen- und Futterpflanze. Es sind mehr als 170 Arten bekannt, die am Jakobs Greiskraut leben und als Nahrung für andere Tiere wie Vögel und Säugetiere dienen. Es konnten bis zu elf Falterarten, unter anderem der Kleine Fuchs, der Kleine Feuerfalter, das Tagpfauenauge, der Kohlweissling, der Gemeine Bläuling, das Ochsenauge, der  Schwarzkolbige Dickkopffalter, das Erdeichel-Widderchen, die Gemeine Stängeleule und die Trockenrasen-Graswurzeleule beobachtet werden.
Einige Insektenarten schädigen das Jakobs Greiskraut:

  • Greiskraut-Saatfliege (Pegohylemia seneciella) - Die Larven fressen die unreifen Samen.
  • Eine Flohkäferart (Longitarsus jacobaea) - frisst an den Wurzeln.
  • Karmin- bzw. Blutbär (Tyria jacobaeae) - Raupen dieses selte­nen, tagaktiven Nachtfalters fressen das Blattwerk.

Durch eine biologische Bekämpfung kann das Jakobs Greiskraut jedoch nicht vernichtet werden, abgefressene Pflanzen kommen trotzdem noch zur Blüte. Ein Massenbefall kann die Pflanze lediglich schwächen, die somit lediglich mit einer reduzierten Samen­produktion reagiert.

Giftigkeit [3]

Alle Greiskräuter enthalten in allen Teilen der Pflanze Pyrrolizi­dinalkaloide, die im tierischen Organismus zu hoch-giftigen Ver­bindungen abgebaut bzw. umgewandelt werden.[3e] Dies führt u.a. zur Schutzwirkung bei den Raupen des Karminbären. Die höchste Konzentration an Pyrrolizidinalkaloide findet sich bei den Greis­kräutern in den Blüten.
Am giftigsten ist das Alpen Greiskraut, dagegen sind das Jakobs Greiskraut und das Wasser Greiskraut weniger giftig. Das Raukenblättrige Greiskraut, das mit dem Jakobs Greiskraut ver­wechselt werden kann (da beide das gleiche Habitat besiedeln können), ist am wenigsten giftig.
Auf der Weide wird das Jakobs Greiskraut in der Regel von den Tieren gemieden – Ausnahmen bestehen im Falle von

  • unerfahrenen Jungtieren oder
  • bei hoher Pflanzendichte vor allem im Rosettenstadium (Bitter­stoffe noch nicht voll ausgebildet) oder
  • bei Nahrungsmangel d.h. Überweidung.

Hieraus ergibt sich die eigentliche Bedrohung für eine Vergiftung: Verfütterung von spät geschnittenes Heu, das von Flächen mit starkem Besatz an blühendem Jakobs Greiskrautes stammt. Denn das toxische Potenzial der Alkaloide bleibt im Heu oder in der Silage erhalten. Der schützende Eigengeruch des Jakobs Greiskraut wird im konservierten Futter überdeckt bzw. geht verloren und wird somit von den Tieren nicht mehr erkannt.
Pyrrolizidinalkaloide sind stabile Verbindungen, die keine akute Giftigkeit aufweisen. Sie werden im tierischen Körper – in der Leber – zu einer hochgiftigen Substanz abgebaut, die das Organ nachhaltig schädigt – deshalb werden die Pyrrolizidinalkaloide als lebertoxisch bezeichnet. Die Vergiftung verläuft somit schleichend mit jeder Aufnahme der Alkaloide. So ist die akute Toxizität d.h. tödlicher Verlauf bei einer einmaligen Dosierung beim Pferd mit 40-80 g Pflanzenmaterial pro kg Lebendgewicht angegeben. Ein Pferd mit 600 kg Gewicht müsste somit 24-48 kg frisches  Jakobs Greiskraut fressen, um die tödliche Aufnahmemenge zu erreichen. Vergleichbare Zahlen sind beim Schaf und Rind:
Schaf > 2 kg/kg; bei einem  Schaf von 50 kg Gewicht wären dies >100  kg frisches Jakobs Greiskraut.
Rind 140 g/kg: bei einer 700 kg schwere Kuh wären dies 98 kg frisches Jakobs Greiskraut.
Geht man nun von einem Anteil von 1% Jakobs Greiskraut im Heu aus, so wäre bei einem Rind die tödliche Dosis nach 3 Monaten erreicht. Hiermit versteht man auch das berichtete qualvolle Leiden der Tiere, da die Vergiftung schleichend vor sich geht.
In diesem Zusammenhang ist interessant, dass anscheinend im Jahre 2007 die EU „Greiskrautreiche Stilllegungsflächen“ zur Futtergewinnung freigegeben hat und somit giftiges Winterfutter in Umlauf gebracht wurde. Aus politischen Gründen haben diverse Langwirtschaftskammern in Deutschland daraufhin überzogene Bekämpfungsaufrufe gestartet. [2c]

Gefährdung des Menschen [4]

Hier sind etliche Studien am Laufen, da es Fälle gibt bei denen eine Vergiftung mit Pyrrolizidinalkaloide effektiv nachgewiesen wurde bzw. Greiskraut-Blätter in Salatmischungen bzw. Rucola­salat nachgewiesen wurden.
Vergiftungen mit Pyrrolizidinalkaloide sind u.a. aus Afghanistan, Äthio­pien und Ägypten bekannt, wobei die Kontamination von Getreide (Samen, Brot und Bier) sowie pyrrolizidinalkaloidhaltige Zie­genmilch als Ursache bestimmt wurden. Fälle in Europa beruhen auf anderen pyrrolizidinalkaloidhaltigen Pflanzen, die u.a. in Tee­mischungen Verwendung finden. Hierunter befinden sich die wohl­bekannten Arten wie:
Huflattich - Tussilago farfara – Asteraceae
Borretsch - Borago officinale – Boraginaceae
Beinwell - Symphytum officinale – Boraginaceae
Pestwurz - Petasites hybridus – Asteraceae
Gemeiner Natterkopf - Echium vulgare – Boraginaceae
Auch einige Orchideenarten enthalten Pyrrolizidinalkaloide! [3f]
Die Pflanzen enthalten Pyrrolizidinalkaloide in allen Teilen in ver­schiedenen Konzentrationen z.B. im Falle des Borretsch ist die Konzentration im Blatt weit aus höher als in der Blüte – dement­sprechend wird vom Verzehr der Blätter abgeraten, vom Verzehr der Blüten dagegen weniger. Beim Jakobs Greiskraut ist die Konzentration an Pyrrolizidinalkaloiden in den Blüten am höchsten. Vom Huflattich gibt es in­zwischen pyrrolizidinalkaloid­arme Züchtungen, die in Medizi­naltees eingesetzt werden.
Auch in vielen Honigproben konnten Pyrrolizidinalkaloide (PA) in einer Menge bis zu einem Extrem von 250 mg/kg Honig nachgewiesen werden (Nachweisgrenze 1mg/kg für jedes PA; als Ursprung der PA wurde der Gemeine Natterkopf identifiziert). Gemäss einer Risiko­bewertung für Arzneimittel soll eine Aufnahme von 0.1 mg Pyrrolizidinalkaloide pro Tag nicht über­schritten werden. Dies entspräche der Menge 0.4 g des erwähn­ten hochbelasteten Honigs! Für einen „normal“ belasteten Honig (1 - 4 mg/kg PA) entspräche dies 25 - 100 g Honig/Tag. [4c]
Die Einschätzung des Gefahrenpotentials für Tier und Mensch ist, obwohl die Datenlage zu den Pyrrolizidinalkaloide und ihrer Wir­kung weiterhin erarbeitet wird, eindeutig mit hoch gegeben. Die Wahr­scheinlichkeit einer Schädigung/Vergiftung ist eher tief bis mittel. Ob somit einschneidende Massnahmen gegen das Jakobs Greiskraut zu rechtfertigen sind, wie sie gefordert werden, ist eigentlich offen.

Massnahmen gegen das Jakobs-Greiskraut

Eines steht fest. Man muss keinen Kreuzzug gegen alle Greis­kräuter führen und diese „ausrotten“, sondern mit Sinn und Verstand handeln. Die Natur kam Jahrtausende ohne einschnei­dende Massnahmen aus. Weidetiere erkennen/lernen mit der Gefahr umzugehen, lediglich bei der - oft falschen - Nutzung durch den Menschen kann sich das Greiskrautproblem verschär­fen.
Jakobs Greiskrautbestände weitab von Wiesen und Weiden und anderen genutzten Flächen, sollten nicht zwingend beseitigt wer­den, da es sich um eine einheimische Wildpflanze handelt, die einen bedeutenden Beitrag zur Biodiversität leistet. Vielmehr ist abzuwägen, ob durch die Nähe zu Landwirtschaftsgrünland ein Gefahrenpotential besteht bzw. bestehen könnte. Wichtig ist, dass befallene bzw. potentiell geeignete Gebiete regelmässig über­wacht und kontrolliert werden, um ein plötzliches Massenauftreten reagieren zu können. Hierzu gehören vor allem Weiden und zur Heu- bzw. Silagegewinnung genutzte Flächen. Ein Eindäm­men von Massenvorkommen auf Brachflächen kommt ebenfalls in Betracht.
Für eine Bekämpfung müssen der Pflanze die Wachstums- und Vermehrungsgrundlagen genommen werden. Dies muss von An­fang an geschehen, denn wenn sich ein Besatz einmal etabliert hat, reicht eine einmalige Bekämpfung nicht aus (man denke an die Anzahl Samen und ihre Keimfähigkeit über Jahrzehnte hin­weg) – wehret den Anfängen.
Auf ökologisch wertvollen Flächen kommen nur mechanische Verfahren zur Bekämpfung – besser Eindämmung – des Jakobs Greiskraut in Frage, die eine Schädigung der Begleitflora vermeiden. Einzelne Pflanzen werden mit den Wurzeln (und zwar mit allen Wurzelteilen!) ausgerissen bzw. ausgestochen.
Da das Jakobs Greiskraut Hautreizungen hervorrufen kann, sollten empfindliche Personen die Pflanzen nur mit wasserfesten (Garten-) Handschuhen anfassen.
Bei einem hohen Befall muss die Fläche vor der Blüte gemäht und das Mähgut abgeführt werden. Hier ist der richtige Zeitpunkt wichtig, dass man nicht zu früh mäht und die Blattrosette somit zur ve­getativen Vermehrung anregt.
Vor allem auf Wirtschaftsland sollte die entstandene Lücke in der Grasnarbe durch Nachsaat von Gras geschlossen werden, um ei­nen Neuaustrieb des Jakobs Greiskraut (Wurzeln, Samen) zu vermeiden. Nur dies sichert eine nachhaltige Verdrängung der Pflanzen.
Besonders vom Befall mit Jakobs Greiskraut sind langjährig ex­tensiv beweidete Flächen betroffen. Hier ist ein strikter Wechsel zwischen Mahd und Beweidung äusserst erfolgreich.
Für die landwirtschaftliche Praxis ist somit folgendes Vorgehen relevant:

  • Mit Jakobs-Greiskraut befallene Flächen dürfen nicht verfüttert werden.
  • Einzelpflanzen frühzeitig vor der Blüte ausstechen.
  • Zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Jakobs Greiskraut sind Mähflächen unbedingt vor der Blüte zu schneiden.
  • Weideflächen nicht zu früh, aber vor der Blüte des Jakobs Greiskraut ausmähen
  • Regelmässiger Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung schwächt die Jakobs Greiskrautpflanzen
  • Rechtzeitige Nachsaat lückiger Bestände sichert eine dichte Grünlandnarbe und erschwert die Ausbreitung des Jakobs Greiskraut.
  • Mit Jakobs Greiskraut kontaminiertes Gut muss aus der Nutz­fläche entfernt werden, keine Kompostierung. Mähgut muss in die Müllverbrennung bzw. alternativ in eine Biogasanlage.

Was ist nun für den Naturschutz d.h. die Pflege der diversen Orchideenbiotope relevant?
Viele Trockenrasen/Halbtrockenrasen auf lehmigem Untergrund können ein geeignetes Biotop für die Greiskräuter sein. In der Regel sind die Schutzgebiete von Landwirtschaftsgebieten umge­ben und der Austausch der Samen wird wohl in beide Richtungen stattfinden. Das bedeutet, dass ein systematisches Bekämpfen des Jakobs Greiskrautes in Schutzgebieten wenig nutzt, wenn auf den umliegenden Flächen nichts unternommen wird und vice versa.
Orchideenbiotope zeichnen sich zudem durch einen lockeren Be­wuchs aus – d.h. keine dichte Grasnarbe. Sie bleiben somit ein stetig geeignetes Biotop für das Jakobs Greiskraut – die flug­fähigen Samen finden im nährstoffarmen, trockenen Boden die richtigen Keimbedingungen. Zu dem können genügend Samen im Boden „schlummern“ und jederzeit aufkeimen. Ein Schliessen der Grasnarbe ist jedoch schwerlich möglich.
Da in einem Schutzgebiet nur eine mechanische Entfernung der Pflanzen in Frage kommt – Ausreissen oder Mähen – muss man sich mit den Folgeschäden auseinandersetzen. Mähen vor der Blütezeit des Jakobs Greiskraut kommt auf Grund der Blütezeit der späteren Orchideenarten wohl nicht in Frage. Ein Ausreissen bedingt ein Betreten des Biotops und führt zu Trittschäden bzw. u.U. zu Nachahmern, die auf Grund der Spur im Gras etwas Be­sonderes erwarten.
Durch den späten Schnitt der Orchideenbiotope darf bei einem Befall mit Jakobs Greiskraut das Schnittgut nicht an Tiere verfüt­tert werden – oder anders gesagt, soll das Schnittgut sinnvoll verwendet werden, müssen entsprechende Massnahmen einge­leitet werden. Dies gilt auch für die Verwendung als Gründüngung – effizienter können die Samen nicht verteilt werden.

Wie erkennt man das Jakobs-Greiskraut?

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Das giftige Jakobs Greiskraut(Senécio jacobaéa) und das schwach giftige Raukenblättrige Greiskraut (Senécio erucifolius) kommen im glei­chen Biotop vor, blühen zur gleichen Zeit und sind nur sehr schwer zu unterscheiden. Zudem werden auch Hybriden der bei­den Arten beobachtet, was zu mehr oder weniger giftigen Pflanzen führt. Am ehesten können die beiden Arten an der Form der Blätter unterschieden werden (siehe die beiden Herbar­abbildungen).


Die beiden folgenden Abbildungen sowie die Tabelle sind aus der Publikation [2a] entnommen.

Jakobs Greiskraut, Senecio jacobaea Raukenblättriges Greiskraut, Senecio erucifolius
Jakobs Greiskraut
(Senécio jacobaéa)
Raukenblättrige Greiskraut
(Senécio erucifolius)

Tabelle Vergleich verschiedener Greiskräuter

Die Blätter des Raukenblättrigen Greiskrautes sind beidseitig spinnwebig überzogen und auf der Unterseite zudem dicht kurz­haarig. Das Jakobs Greiskraut bildet eine Winterrosette, welche im Frühjahr noch vor der Blüte entfernt werden kann.
Im Gegensatz zum Jakobs Greiskraut macht das Raukenblättrige Greiskraut Ausläufer und kann damit schnell grössere Flächen bedecken und die anderen Pflanzen z. B. Orchideen verdrängen, wie im Jahr 2009 im Vorderrugen von Albert Kurz beobachtet.
In den Pflegegebieten der AGEO möchten wir diesen Sommer den beiden Arten nachgehen und, wenn notwendig, ausreissen und vernichten.

Wann müssen wir gegen das Jakobs Greiskraut vorgehen?

  • Falls das Schnittgut verfüttert wird, müssen wir das Jakobs Greiskraut zu 100% entfernen.
  • Falls in der Nähe der befallen Gebiete Weideflächen sind, auf den u.a. auch Jungtiere weiden, müssen wir auch hier das Jakobskreuz zu 100% entfernen.
  • Wenn ein Gebiet durch und durch mit Jakobs Greiskraut bewachsen ist, müssen wir ebenfalls aktiv werden und das Gebiet vor der Blüte mähen.
  • Bei geringem Befall, weit ab von Landwirtschaftsgebiet, gilt es abzuwägen, ob ein Eingriff angemessen ist, z.B. wenn der Blutbär im Gebiet vorkommt [6].
  • Auch Eingriffe gegen das einjährige Raukenblättrige Greis­kraut sollten mit Bedacht durchgeführt werden – bei Massen­beständen ist eine Reduktion der Pflanzenzahl  angemessen.

Der Zeiträume für die zusätzlichen Pflegemassnahmen wären:
Chästel:                  10. – 14. Juli
Hornussen:               1. –   3. August
Villnachern:             15. – 17. August
Weitere Gebiete:   15. – 20. August

Wer ein Gebiet übernehmen könnte (auch zu zweit oder zu dritt) oder auch weitere Fragen zu den Spezialeinsätzen hat, melde sich bei: Albert Kurz, Gotthelfweg 8, 8590 Romanshorn, Tel.: 071 463 69 42.


Literatur und Internetadressen

(Stand 15.3.2010)

[1a] http://www.ak-kreuzkraut.de/index.htm
[1b] http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/gesundheit-killerpflanze-jakobsGreiskraut-verbreitet-sich_aid_402383.html
[1c] http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=13518
     aus Grossbritannien:
[2a] “Code of Practice to Prevent the Spread of Ragwort” http://www.defra.gov.uk/
      aus Deutschland:
[2b] Umgang mit dem Jakobs Greiskraut – Meiden Dulden Bekämpfen http://www.lwk-rlp.de/bilder/mediafile_7880_JKK_INFOBLATT.pdf
[2c] http://niedersachsen.nabu.de/imperia/md/content/niedersachsen/stellungnahme_nabu-bfa-weidelandschaften_jakobskreuzkraut.pdf
[2d] http://www.schleswig-holstein.de/LLUR/DE/Startseite/PDF/JakobsGreiskraut,templateId=raw,property=publicationFile.pdf
      aus der Schweiz:
[2e] http://www.agff.ch/cms/index.php?menuid=43 (Postversand)
[2f] http://www.distanzler.de/exterpdf/GiftigeKraeutzkraeuter.pdf (PDF-Download)
[3a] Dr. Helmut Wiedenfeld http://phyto.pharma.uni-bonn.de/pa.html
[3b] http://www.kaesekessel.de/forum/borretsch-borago-officinalis-l-t-158-1.html
[3c] http://www.biothemen.de/Heilpflanzen/presssaft/huflattich.html#pafrei
[3d] http://www.strickhof.ch/fileadmin/strickhof_files/Fachwissen/pflanzenschutz/kreuzkraut_fal.pdf
[3e] Speziell zum Metabolismus der Pyrrolizidinalkaloide im Organismus:
      H. Wiedenfeld, E. Röder Deutsche Apothekerzeitung 124(43) 1984 2116-2122
[3f] http://pharmbiol.phbiol.nat.tu-bs.de/ipb/content/group_detail_all.asp?id=64&id_group=1
[4a] http://www.bfr.bund.de/cm/232/pyrrolizidinalkaloide_als_unerwuenschte_stoffe_in_der_nahrungskette.pdf
[4b] http://www.bfr.bund.de/cm/208/salatmischung_mit_pyrrolizidinalkaloid_haltigem_geiskraut_verunreinigt.pdf
[4c] http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C56141005_L20.pdf
[5] http://www.nabu-regionhannover.de/experten/schmetterlinge_02.html
[6] http://www.cscf.ch; gemäss aktueller Verbreitungskarte kommt der Blutbär in der Schweiz vereinzelt vor.
     Zu finden unter Kartenserver, Gruppe Lepidoptera, Genus Tyria, Species jacobaeae



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Aktualisiert 15. 03. 2010

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