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Im Durachtal bei Merishausen

Autor und Fotos: Sepp Stierli


Pfirsichblättrige Glockenblume, Campanula persicifolia, Foto Sepp Stierli Witwenblume (Knautia arvensis) mit Roten Halsbock (Leptura rubra), Foto Sepp Stierli Die Sonne scheint, das Wetter ist schön und warm. Es ist ein Tag zum „Blüemele“. Mein Ziel ist die Kleinblättrige Stendelwurz (Epi­pactis microphylla) in Merishausen wieder zu finden. Von Schaff­hausen fahre ich in Richtung Donaueschingen. Gleich nach der Ziegelhütte in Schaffhausen öffnet sich der Blick ins Durachtal. In Merishausen parke ich mein Auto im Schatten. Grosse graue Wolken stehen am Himmel. Könnte es noch ein Gewitter geben? Den Schirm habe ich vorsichtshalber eingepackt. Zuerst gehe ich in Richtung Bargen der Durach entlang. Sie führt überraschen­derweise viel Wasser. Durch einen Tunnel unter der Autobahn er­reiche ich den Weg zu den Gräten hinauf. Viele Orchideenarten sind bereits verblüht. Nicht verwunderlich, denn es ist ja bereits Anfangs Juli 2010. Ich begegne einer Frau mit Hund aus Meris­hausen. Wir wechseln einige Worte. Dabei erfahre ich, dass es in der Nacht stark geregnet hat. Sie erkundigt sich bei mir, ob ich fotografieren gehe und zeigt auf meine Kamera. Dann sagt sie zu mir, im Grätental sei eine Pflanze, die bereits in der Bibel vorge­kommen sei und dort brennender Dornbusch hiess. Es ist der Dip­tam sage ich zu ihr und sie antwortete mir, so sagte mir auch mein Mann. Die Frau geht mir ihrem Hund einen anderen Weg.
Oben am Waldweg angekommen führt mein Weg zuerst in Rich­tung Bargen. Pfirsichblättrige Glockenblumen (Campanula persi­cifolia) blühen. Wenige Schmetterlinge gaukeln um mich herum, sonst sehe ich nichts Aufregendes. Aber halt: Da ist ein Käfer mit grossen Augen auf einer Witwenblume (Knautia arvensis). Es ist das Männchen des Roten Halsbock (Leptura rubra). Den habe ich noch nie gesehen. Die Rotbraune Stendelwurz (Epipactis atroru­bens) und die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), treten hier massenhaft auf.

Braunrote Ständelwurz, Epipactis atrorubens, Foto Sepp Stierli Blick auf Merishausen, Foto Sepp Stierli Braunrote Ständelwurz, Epipactis atrorubens, helle Form, Foto Sepp StierliEine Feldlerche (Alauda arvensis) steigt auf aus der Magerwiese und singt mir ein Lied aus ihrer anderen Heimat. Die Breitblättrigen Stendelwurzen und die Wohlriechenden Hän­delwurzen sind am Aufblühen. Ich kehre um und will ins Grätental. Auf dem Rückweg mache ich noch ein Foto von Meris­hausen mit seinem schönen Kirchturm. Ich wechsele das Objektiv. Aber was ist denn das? Eine Stendelwurz mit derartigen Blüten? Die Pflanze ist 32 cm hoch und weist viele Blüten und Knospen auf. Von der Blütenform her deutlich zur Rotbraunen Stendelwurz neigend, doch die Farbe stimmt nicht. Auch der Stängel ist nicht braunrot, sondern grün. Die Laubblätter eher zur Breitblättrigen Stendelwurz neigend. Ein Bastard wahrscheinlich zwischen diesen beiden Orchideenarten? Diese Kreuzung ist mir nicht bekannt. Der geübte Orchideenkenner soll nach meinen Bil­dern selber entscheiden.
(Anmerkung der Redaktion/Walter Schmid:
Es handelt sich um die helle Form der Epipactis atrorubens).
Nun ist auch die seltene Straussblütige Wucherblume (Tanacetum corymbosum) am Blühen.

Straussblütige Wucherblume (Tanacetum corymbosum), Foto Sepp Stierli Purpurklee (Trifolium rubens), Foto Sepp Stierli Bevor ich ins Grätental einschwenke, lacht mir im Schatten noch ein Purpurklee (Trifolium rubens) entgegen. Ich bewundere seine schönen Blüten. Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) tur­nen in den Föhren. Bei einer schattigen Hecke steht tatsächlich noch eine Hummel-Ragwurz mit drei Blüten. Während meinen Beobachtungen höre ich plötzlich den Grünspecht (Picus viridis) rufen. Viele Schachbrettfalter (Melanagaria galathea) umflattern mich, lassen sich aber nicht fotografieren. Manch einer sitzt auf meinem feuchten Arm.
Um mein Ziel zu erreichen, beginne ich die Suche im Buchenwald. Finde ich die Kleinblättrige Stendelwurz wieder? An den mir be­kannten Stellen ist kein einziges Exemplar aufzufinden. Aber Mo­ment einmal, meine einstigen Fundstellen liegen über ein Viertel­jahrhundert zurück. Inzwischen sind die Buchen gewachsen, es ist zu dunkel geworden. Auch an lichten Stellen ist nichts auszuma­chen. Ein ungünstiges Jahr oder kein Finderglück? Im Wald sehe ich viele verblühte Vogelnestwurze. Ich verlasse den Wald nach langer Suche. Bevor ich wieder an die Sonne komme, fliegt ein Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla) auf dem Waldweg vor mir her. Fotografieren lässt er sich auch nicht. Die Müllers Stendelwurz ist in Knospe. Bis Ende Waldweg zähle ich über 50 rote Waldvöge­lein, die am Abblühen sind. Die grauen Wolken haben sich verzo­gen. Dafür brennt die Sonne erbarmungslos herunter. Zeit für die Umkehr. Am Weg zum Auto begleiten mich viele schöne Weg­warten (Cichorium intybus).
Die Stunden im Durachtal sind im Flug vorbei gegangen, ich ge­noss sie in vollen Zügen. Sie zeigten mir die immer wiederkeh­rende Schönheit der Natur. Auch wenn ich meine Ziel-Orchidee nicht gefunden habe, gehe ich mit vielen schönen Eindrücken froh und zufrieden nach Hause.

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Aktualisiert 07. 04. 2011

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