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Die Geologie der Ibergeregg

Autor Christian Gnägi

Das Gebiet rund um die „Ibergeregg“ ist nicht nur ein hotspot für Orchideenfreunde sondern ist auch für Geologen eine Topdestination. Hier kann man auf dem Weg von den „Drei Schijen“ über die „Mördergruebi“ zum „Roggenstock“ auf wenigen Kilometern über drei Kontinente und zwei Ozeane wandern. Wo kann man das schon?

Aber fangen wir etwas weiter vorne an. Es war einmal vor langer Zeit... so fangen nicht nur Märchen an, sondern auch geologische Erklärungen. Doch vielleicht sind die ja recht nahe bei den Märchen, wer weiss? Jedenfalls war niemand von uns dabei, als damals vor über 300 Millionen Jahren nicht nur Europa (auch ohne EU) eine Einheit war, sondern auch Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika, der Südpol und Indien alle zusammen vereint eine einzige Landmasse bildeten. Doch es sollte nicht so bleiben, sondern es rumorte gewaltig im Erdinneren und dieser Superkontinent (Pangäa) brach auseinander. Dabei entstanden nicht nur die heutigen Grosskontinente, sondern auch verschiedene Kleinkontinente dazwischen, z.B. Iberien und Adria-Apulia. Als Afrika und Südamerika dabei auseinander drifteten, öffnete sich der Südatlantik. Gleichzeitig führte dies zur Drehung von Afrika im Gegenuhrzeigersinn. Diese Drehung steuerte die dazwischen liegenden Kleinkontinente Iberien und Adria-Apulia gegen Europa. Bei der Kollision entstanden die Alpen, ähnlich einer Knautschzone beim Zusammenprall von zwei Autos. Ein grosser Teil davon wurde bereits wieder abgetragen und die Hauptmasse von Adria-Apulia liegt heute von der Adriatischen Halbinsel an ostwärts (inklusive das Südtessin) und von Iberien westlich der Pyrenäen. Doch Teile davon gelangten bis auf die Alpennordseite. Weil der Rest hier schon abgetragen ist, bilden sie spannende geologische Inseln, sogenannte Klippen, die vermuten lassen, wie es ursprünglich mal gewesen sein könnte.

Mythen - Couches rouges, Thomas UlrichMythen - Couches rouges, Thomas UlrichDie roten Gesteinsschichten, die man am Heimweg von der Exkursion in der Abendsonne am Mythen wunderschön leuchten sah (sie heissen Couches rouges), sind ein Rest von Iberien. Wir finden sie auch am „Stanserhorn“, den „Giswiler Stöcken“ und den „Préalpes Romandes“. Weiter östlich liegen Reste von vulkanischen Gesteinen (umgewandelte Basalte) aus dem Ozean, der vor der Alpenfaltung zwischen Europa und Afrika bestand. Darüber liegen Gesteine von Adria-Apulia (Ostalpin). Übrigens die einzigen, die auf der Schweizer Alpennordseite noch erhalten sind. Die Verschiebung der grossen Gesteinspakete geschah während der Alpenent­stehung oft auf weichen Gesteinsschichten, die als Gleit­ebenen ausgewalzt wurden. Ein solches Gestein, das sich längs der ganzen Schweizer Alpennordseite als Unterlage un­ter den grossen Kalkwänden des Helvetikums findet, ist Flysch, ein sandig-mergeliges Tiefsee-Ablagerungsgestein. Wenn es verwittert, quillt es zu Lehm und staut damit das Sickerwasser. Deshalb haben wir entlang der Voralpen vom Appenzellerland bis an den Genfersee einen Gürtel von Moorlandschaften.

(Siehe auch: Geologischer Wanderweg Roggenstock:
http://www.ybrig.ch/de/sommer/wandern/themenwege/geologischerwanderweg
)

 

 

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Aktualisiert 12. 10. 2014

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