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Entwicklung der Orchideen-Population

Dokumentation der Entwicklung in einer Artikel-Reihe im AGEO-Magazin ORCHIS


Quantitative Orchideenliste, sortiert nach Blütezeit

Seit dem heissen Sommer im Jahre 2003 hat sich der Orchideen-Bestand auf dem Lehrpfad mengenmässig nicht vollständig erholt, vor allem da in den Folgejahren  mehrere Hitze-/Trockenperioden auftraten. Um dies zu demonstrieren, sind in der Tabelle folgende Zahlen aufgeführt (gezählt wurden jeweils die blühenden Exemplare):

  • Durchschnittswert von 1980 bis 1990 (MW 1980er)
  • Durchschnittswert von 1991 bis 2000 (MW 1990er)
  • Durchschnittswert von 2001 bis 2010 (MW 2000er)
  • Durchschnittswert von 2011 bis 2019 (MW 2010er)
  • Durchschnittswert der letzten 3 Jahre, d.h. von 2018 bis 2020 (MW 3 J.)
  • Maximalwert der letzten 3 Jahre, d.h. von 2018 bis 2020 (Max 3 J.)

Die Entwicklung der letzten 3 Jahre wird durch folgende Färbung in der letzten Spalte (Maximum der letzten 3 Jahre) sichtbar:

grün: maximaler Wert 2018, rot: maximaler Wert 2019, orange: maximaler Wert 2020

Art (deutsch)

Blütezeit

MW
1980er

MW
1990er

MW
2000er

MW
2010er

MW 3 J.

Max 3 J.

Kleine Spinnen­-Ragwurz

April-Mai

117

98

159

129

73

89

Helm­-Knaben­kraut

April-Mai

280

237

159

51

34

40

Manns­-Knaben­kraut

April-Mai

68

132

85

31

15

31

Fliegen-Ragwurz

Mai

13

21

25

34

18

32

Hummel­-Ragwurz

Mai-Juni

43

51

35

16

4

9

Ohnsporn (Puppenorchis)

Mai-Juni

11

11

7

2

2

4

Grün­liches Breit­kölb­chen

Mai-Juni

47

55

80

38

19

29

Lang­blättriges Wald­vöge­lein

Mai-Juni

70

57

30

36

36

42

Blasses Wald­vöge­lein

Mai-Juni

9

7

1

1

1

2

Vogel­nest­wurz

Mai-Juni

5

4

0

0

0

0

Fuchs' Finger­wurz

Mai-Juni

5

6

7

9

4

5

Grosses Zwei­blatt

Mai-Juli

194

257

213

108

48

66

Lang­spornige Hand­wurz

Mai-Juli

257

646

767

398

283

398

Wohl­riechende Hand­wurz

Juni-Juli

27

32

26

16

0

0

Bienen­-Ragwurz

Juni-Juli

15

17

14

13

6

10

Pyramiden­orchis

Juni-Juli

128

111

133

142

72

96

Braun­rote Stendel­wurz

Juni-Juli

3

6

10

1

1

1

Müllers Stendel­wurz

Juni-Juli

17

21

3

11

12

18

Breit­blättrige Stendel­wurz

Juli-Aug.

 

1

1

1

3

3

Über­sehene Stendel­wurz

Juli-Aug.

 

 

1

4

4

5


2018 war wiederum ein heisses und trockenes Jahr (Frühling und Frühsommer), so dass auch in diesem Jahr die Anzahl an blühenden Pflanzen gering ausfiel.
Das Jahr 2019 war geprägt von einem zu kalten Mai (schlechte Wachstumsbedingungen mit eventueller Fäulnis der Pflanzen) sowie zu wenig Niederschläge bei hohen Temperaturen im Sommerhalbjahr (Einstellen des Wachstums, Vertrocknen der Pflanzen/Samenstände).
2020 war je nach Orchideenart eher unterdurchschnittlich bis durchschnittlich, dabei wurden oft halbschattige und feuchtigkeitsnivellierende Bereiche bevorzugt.

Entwicklung der Orchideen-Population

Die Orchideen des Lehrpfadgebietes werden seit 1978 jedes Jahr ausgezählt.
Die erhaltenen Daten zeigen

  • die natürlichen Schwankungen der Häufigkeit der blühenden Pflanzen.
    Dies ist bedingt durch klimatische Effekte, z. B. trockenes oder nasses Jahr während der Wachstumszeit, kalter oder warmer Winter, Spätfröste, extreme Frühjahrs- bzw. Sommertemperaturen.
    Dabei schwankt nicht nur die Anzahl an blühenden Exemplaren sondern auch die Grösse der Pflanzen.
  • andererseits längerfristige Entwicklungen.
    Diese sind bedingt durch Veränderungen der Boden- und Lichtverhältnisse,
    z. B. Wuchs der Büsche und Bäume führt zu mehr Schatten mit entsprechend feuchterem Boden und damit verändertem Bewuchs.
  • Zudem spielt der Nährstoffeintrag über die Luft (Eutrophierung) eine wesentliche Rolle. Hierdurch wird die Grasnarbe dichter durch nährstoffliebende Pflanzen, welche die Orchideen-Jungpflanzen zu stark beschatten und verdrängen. Hinzu kommt eine Veränderung der für die Orchideen essentiellen Bodenpilzen, die auf zu viel Stickstoff empfindlich reagieren.
  • Weiterhin ist eine stabile Orchideenpopulation von der Befruchtung der Blüten durch Insekten abhängig. Mit zunehmender Abnahme der Insektenarten und ihrer Anzahl kommt es zu geringerer Samenbildung.
  • Blühen und Samenbildung schwächen die einzelnen Pflanzen. Somit kommt eine bestimmte Pflanze nicht jedes Jahr zur Blüte; sie kann sich jedoch durch eine Ruhephase (teils über mehrere Jahre) wieder stärken.

Warum Gewinner und Verlierer? Einfluss der Pflegemassnahmen

Im Herbst wird das Lehrpfad-Gebiet jährlich von der AGEO gemäht und das Gras entfernt. 1997 wurden grössere Rodungsarbeiten durchgeführt. Eine ausführlichere Beschreibung zur Geschichte des Lehrpfades findet sich im AGEO Magazin ORCHIS (vgl. unten).

Aufgrund dieser Pflegemassnahmen waren einige Licht liebende Arten eindeutig am zunehmen (vor allem seit 1997 verlief der Anstieg sprunghaft), dabei am eindrücklichsten die Gymnadenia conopsea von ca. 250 Pflanzen in den ersten Jahren auf über 1’700 Pflanzen. Bei anderen Orchideenarten ist der Trend aufgrund der Pflegemassnahmen nicht so eindeutig.

Gleichzeitig sieht man inzwischen aber auch negative Auswirkungen dieser notwendigen Massnahmen. Da ab 2003 in den letzten Jahren verschiedene Trockenheits-/Hitzeperioden auftraten, gab es bei einigen Orchideenarten einen deutlichen Einbruch. Bei derartigen Wetterlagen bietet der Lehrpfad inzwischen zu wenig Schattenbereiche. Aus diesem Grund werden in den nächsten Jahren einige Büsche (Jungwuchs) des Lehrpfades an drei Stellen umgepflanzt, zusätzlich mit zugekauften Wildrosen aus Aargauer Quelle.


Dokumentation der Entwicklung

Eine ausführliche Auswertung der Beobachtungsreihen wird von Thomas Ulrich zurzeit (2018 bis 2021) erstellt und wird im AGEO Magazin ORCHIS veröffentlicht.

Die Orchideen des AGEO-Lehrpfades, Teil 1 - Zur Geschichte des Lehrpfades

Die Orchideen des AGEO-Lehrpfades, Teil 2 - Die Orchis-Arten des Lehrpfades

Die Orchideen des AGEO-Lehrpfades, Teil 3 - Die Ophrys-Arten des Lehrpfades

Die Orchideen des AGEO-Lehrpfades, Teil 4 - Die Cephalanthera- und Platanthera-Arten des Lehrpfades

Die Orchideen des AGEO-Lehrpfades, Teil 5 - Die Epipactis-Arten und drei weitere Arten

AGEO-Lehrpfad Erlinsbach - Blühsaison 2020

Tagfalter auf und um den Orchideenlehrpfad Autor: André Röthlisberger

Orchis mascula Verteilung auf dem Lehrpfad, 2018, Graphik: Thomas Ulrich
Klicken in die Grafik vergrössert die Abbildung.

Die Graphik zeigt die Orchis mascula Verteilung auf dem Lehrpfad (bis 2018). Hier aufgeführt als ein Beispiel der umfangreichen QGIS-Auswertung, die mit den langjährigen Datenreihen der blühenden Orchideen-Pflanzen des Lehrpfadgebietes durchgeführt wird. Alle Details entnehmen Sie bitte den angegebenen Publikationen im ORCHIS.


Fazit: Biotop Pflege- und Schutzmassnahmen haben immer Auswirkungen auf alle Tiere und Pflanzen des Gebietes. Erfolgreicher Biotopschutz bedingt deshalb möglichst gute Kenntnisse des Gebietes, um mit zielgerichteten und massgeschneiderten Eingriffen die gewünschten Biotope zu schaffen bzw. zu erhalten und dabei möglichst wenig andere seltene Pflanzen und Tiere zu gefährden. Extreme Trockenheit im Frühling und im Sommer - wie in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten - schädigen auf dem Lehrpfad vor allem die Orchideen des Halbtrockenrasens.

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Aktualisiert 29. 09. 2020

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