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Entwicklung der Orchideen-Population

Quantitative Orchideenliste, sortiert nach Blütezeit

Seit dem heissen Sommer im Jahre 2003 hat sich der Orchideen-Bestand auf dem Lehrpfad mengenmässig nicht vollständig erholt, vor allem da sich ebenfalls 2007, 2011 und 2012 durch Hitze-/Trockenperioden auszeichneten. Um dies zu demonstrieren, sind in der Tabelle folgende Zahlen aufgeführt (gezählt wurden jeweils die blühenden Exemplare):


  • Maximalwert von 2000 bis 2002 (Max v2003)
  • Durchschnittswert von 2000 bis 2002 (MW v2003)
  • Durchschnittswert der letzten 3 Jahre, d.h. von 2014 bis 2016 (MW 3 J.)
  • Maximalwert der letzten 3 Jahre, d.h. von 2014 bis 2016 (Max 3 J.)

Die Entwicklung der letzten 3 Jahre wird durch folgende Färbung in der letzten Spalte (Maximum der letzten 3 Jahre) sichtbar:
orange: maximaler Wert 2014, grün: maximaler Wert 2015, rot: maximaler Wert 2016.

Art (deutsch) Art (lateinisch) Max v2003 MW v2003 Blütezeit MW 3 J. Max 3 J.
Kleine Spinnen­-Ragwurz Ophrys ara­neola

223

194

April-Mai 229

249

Helm­-Knaben­kraut Orchis militaris

361

280

April-Mai 58

71

Manns­-Knaben­kraut Orchis mascula

167

124

April-Mai 35

45

Fliegen-Ragwurz Ophrys insec­tifera

31

29

Mai 63

79

Hummel­-Ragwurz Ophrys holo­serica

64

60

Mai-Juni 29

42

Ohnsporn (Puppenorchis) Aceras anthropo­phorum

23

15

Mai-Juni 3

6

Grün­liches Breit­kölb­chen Platan­thera chlorantha

160

98

Mai-Juni 52

81

Lang­blättriges Wald­vöge­lein Cepha­lanthera longi­folia

81

69

Mai-Juni 43

50

Blasses Wald­vöge­lein Cepha­lanthera dama­sonium

4

2

Mai-Juni 1

2

Vogel­nest­wurz Neottia nidus­-avis

3

1

Mai-Juni 1

1

Fuchs' Finger­wurz Dactylo­rhiza fuchsii

12

11

Mai-Juni 11

14

Grosses Zwei­blatt Listera ovata

556

405

Mai-Juli 202

455

Lang­spornige Hand­wurz Gymna­denia conop­sea

1692

1411

Mai-Juli 475

660

Wohl­riechende Hand­wurz Gymna­denia odora­tissima

78

51

Juni-Juli 37

57

Bienen­-Ragwurz Ophrys apifera

59

36

Juni-Juli 22

24

Pyramiden­orchis Ana­camptis pyrami­dalis

159

157

Juni-Juli 267

309

Braun­rote Stendel­wurz Epi­pactis atro­rubens

43

29

Juni-Juli 0

1

Müllers Stendel­wurz Epi­pactis muel­leri

11

11

Juni-Juli 9

21

Breit­blättrige Stendel­wurz Epi­pactis helle­borine

5

3

Juli-Aug. 2

3

Über­sehene Stendel­wurz Epi­pactis neglecta

0

0

Juli-Aug. 6

19


2015 war für die Orchideen auf dem Lehrpfad ein ordentliches Jahr, erkenntlich daran, dass der Maximalwert der letzten 3 Jahre vor allem grüne Zahlen aufweist. 2016 blühten vor allem die Spinnen-Ragwurzen endlich wieder richtig gut. Noch nie wurden auf dem Lehrpfad so viele Ophrys araneola gezählt: der bisherige Rekord von 1980 mit 245 blühenden Pflanzen wurde knapp überschritten.

Man staunt immer wieder, wie stark die Blütenzahlen von Jahr zu Jahr schwanken können.


Entwicklung der Orchideen-Population

Die Orchideen des Lehrpfadgebietes werden seit 1978 jedes Jahr ausgezählt.
Die erhaltenen Daten zeigen


  • einerseits die natürlichen Schwankungen der Häufigkeit der blühenden Pflanzen bedingt durch klimatische Effekte, z. B. trockenes (Sommer 2003, Frühling 2007, Frühling/Frühsommer 2011, Frühling 2012) oder nasses Jahr während der Wachstumszeit, kalter Winter. Dabei schwankt nicht nur die Anzahl der blühenden Exemplare, sondern auch die Pflanzengrösse.
  • andererseits längerfristige Entwicklungen bedingt durch Veränderungen der Boden- und Lichtverhältnisse, z. B. Wuchs der Büsche und Bäume führt zu mehr Schatten mit entsprechend feuchterem Boden und damit anderem Bewuchs.

Warum Gewinner und Verlierer? Einfluss der Pflegemassnahmen

Art der Pflegemassnahmen: 1970 wurde das Lehrpfadgebiet von der Gemeinde etwas ausgelichtet. Davor war das Gebiet lichtärmer bzw. „waldähnlicher“. Seit 1977 wird auf jede landwirtschaftliche Bewirtschaftung und vor allem Düngung verzichtet. Im Herbst wird es regelmässig von der AGEO gemäht und das Gras entfernt. 1997 wurden grössere Rodungsarbeiten durchgeführt.
Aufgrund dieser Pflegemassnahmen waren einige Licht liebende Arten eindeutig am zunehmen (vor allem seit 1997 verlief der Anstieg sprunghaft), dabei am eindrücklichsten die Gymnadenia conopsea von ca. 250 Pflanzen in den ersten Jahren auf über 1’700 Pflanzen. Bei anderen Orchideenarten ist der Trend aufgrund der Pflegemassnahmen nicht so eindeutig.

Gleichzeitig sieht man inzwischen aber auch negative Auswirkungen dieser notwendigen Massnahmen. Da in den letzten Jahren einige Trockenheits-/Hitzeperioden (trocken/heisser Sommer 2003, Trockenheit im Frühling 2007, 2011 und 2012) auftraten, gab es bei einigen Orchideenarten einen deutlichen Einbruch in den letzten Jahren. Bei derartigen  Hitze/Trockenheitsperioden bietet der Lehrpfad inzwischen zu wenig Schatten. Die Anzahl blühender Orchideen hat seit 2003 deshalb leider deutlich abgenommen.
So wurde Gymnadenia odoratissima durch die Hitze 2003 so geschwächt bzw. dezimiert, dass sie erst 2008 wieder geblüht hat (mit 4 Exemplaren, 2010 gab es 10 Exemplare, 2011 und 2012 jeweils wieder nur 1)! Epipactis muelleri verschwand ebenfalls bis 2008.

Auch der sehr trockene / warme Frühling 2007 wirkte sich auf die Orchideen des offenen buschlosen Halbtrockenrasens negativ aus.  2008 und 2009 kam es zu einer langsamen Erholung. Leider vertrockneten im Jahre 2011 ab dem letzten Mai-Drittel die wachsenden Rosetten und die Pflanzen blühten nicht mehr.



Durch den Erhalt des Halbtrockenrasens und die notwendige Auslichtung des Waldteiles sind einige „Waldorchideen“ am abnehmen bzw. vom Lehrpfadgebiet verschwunden. Einige Orchideen kommen deshalb auf dem Lehrpfad-Gebiet nur sporadisch vor, sind aber im umliegenden Wald vorhanden. Dies betrifft z. B. z. B. das Blasse und das Rote Waldvögelein (Cephalanthera damasonium und Cephalanthera rubra), einige Stendelwurz-Arten (Epipactis) sowie die Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis).
 
Abnahme Goodyera repens Abnahme des kriechenden Netzblattes (Goodyera repens)Am Beispiel des kriechenden Netzblattes (Goodyera repens) lässt sich gut verfolgen, wie die Population von rund 100 Pflanzen an diesem Standort innerhalb von rund 10 Jahren vollständig verschwindet, weil die notwendige Föhrenwaldstruktur nicht mehr aufrechterhalten werden konnte.


Veränderung der Orchideenpopulation auf dem Lehrpfad am Beispiel Ophrys apifera

Verteilung Ophrys apifera auf dem Lehrpfad
Klicken vergrössert den Plan.

Die Angaben „4/94“ bedeutet, dass im Jahre 1994 4 blühende Exemplare im angegebenen Bereich gefunden wurden; grau unterlegte Angaben betreffen die Jahre vor 2003, die weiss unterlegten die Jahre ab 2004. Aus der Graphik wird deutlich, dass Ophrys apifera sich aus dem Trockenrasengebiet des Lehrpfades in die durch Föhren beschatteten Gebiete in den nördlichen sowie seit 2012 auch in den westlichen Teil verlagert.  Auf Grund der Trockenheit hat die Art 2011 auf dem Lehrpfad nicht geblüht, obwohl im Frühjahr Rosetten vorhanden waren.


Fazit: Biotop Pflege- und Schutzmassnahmen haben immer Auswirkungen auf alle Tiere und Pflanzen des Gebietes. Erfolgreicher Biotopschutz bedingt deshalb möglichst gute Kenntnisse des Gebietes, um mit zielgerichteten und massgeschneiderten Eingriffen die gewünschten Biotope zu schaffen bzw. zu erhalten und dabei möglichst wenig andere seltene Pflanzen und Tiere zu gefährden. Extreme Trockenheit im Frühling und im Sommer - wie in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten - schädigen auf dem Lehrpfad vor allem die Orchideen des Halbtrockenrasens.

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Aktualisiert 19. 02. 2017

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