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Digital oder Analog: Das bleibt die Frage!

Bericht von Thomas Ulrich

Unser JEKAMI-Abend war ein erster Versuch Licht ins Dunkel der digitalen Bilderprojektion zu bekommen. Der Vergleich mit der analogen Bildtechnologie stand dabei im Vordergrund der kritischen Beobachter, die mehrheitlich - mit Recht - nicht allzu zufrieden mit dem Gesehenen waren.

Ausgangslage

An der Exkursion zum Nätteberg wurden von Werner Schaufelberger (analog) und Göpf Grimm (digital) versucht, die Besonderheiten des Gebietes festzuhalten. Der Tag war leicht regnerisch und somit stark bewölkt. Bezüglich der Ausrüstung seien die eingesetzten Blitzgeräte speziell erwähnt, so wurde im analogen Fall ein herkömmliches Blitzgerät eingesetzt, im digitalen Fall hingegen ein Ringblitz.
Alles geschah im Rahmen der Exkursion schnell und zügig.
Für den JEKAMI-Abend musste nun ein Projektor her, um den Kampf der Giganten zu realisieren. Und hier beginnt nun der technische Teil, denn der Vereinsabend war zu kurz, um allen Interessierten eine angemessene Antwort auf die technischen Fragen zu geben. Darum ein kurzer Überblick über die Technologie und ihre Tücken.

Keine Ahnung

"Wir brauchen noch einen Projektor für die digitalen Bilder. Könntest nicht DU?" (Originalton der Aktuarin). Einfach, kurz, präzise gesagt. Aber was für ein Modell, welche Technologie, woher nehmen? Also ab ins Internet für die Technologie, zu meinem Chef - die CIBA hat uns den Projektor (Dell MP3300) freundlicherweise zur Verfügung gestellt - und als Sicherheit noch Peter Brüschweiler mit seinem Beziehungsnetz in Zofingen aktiviert für eine weitere Option eines hochwertigen Projektors. Nach einem Test des leichter erhältlichen Dell-Projektors wurde dann der Entscheid gefällt, diesen zu verwenden, ohne die zweite Option genauer anzuschauen (Weg des geringsten Widerstandes, auf dem bekanntlich die stärksten Bremsen versagen).

Die Technologien

Für die Projektion gibt es zwei grundlegende Technologien:
•   die LCD (liquid crystal display - Flüssigkeitskristalle im Durchlicht)
•   die DLP (digital light processing - reflektierende Oberfläche, wie im Falle des verwendeten Projektors).
Im LCD Fall werden drei separate Schwarz/Weiss-Durchlichtbilder erzeugt und über die Farbfilter (rot, grün und blau) das Farbbild gemischt.
Die DLP-Technologie (links) verwendet hingegen ein Halbleiter-Display mit einer Unzahl kleiner, einzeln ansteuerbarer Spiegelchen (mehr als 1 Million, Technologie von Texas Instruments), welche das Licht in Projektionsrichtung lenken. Durch die Schnelligkeit ihrer Bewegung (mehrere tausendmal pro Sekunde) können 1024 Graustufen erzeugt werden. Ein Farbrad mit den Grundfarben + Weiss erzeugt, exakt synchronisiert, das Farbbild mit 16.7 Millionen Farben.
Eine ausführliche Darstellung der Vor- und Nachteile beider Technologien führt an dieser Stelle zu weit (Details siehe Internet Links). Wichtig wäre noch zu bemerken, dass der Einsatz der Projektoren hauptsächlich für die Daten-Präsentationen und den Video/Heim-Cinema Bereich gedacht ist und dementsprechend auch daraufhin technologisch entwickelt wurden.

Die Einstellung am Projektor:

Anhand eines Testbildes (Graustufen, CMY-Grundfarben) haben wir den Projektor bezüglich neutraler Farbwiedergabe, Helligkeit, Kontrast (nach bestem Wissen und Gewissen) eingestellt. Die Farbtemperatur auf 6500 K gesetzt, die Farben so angepasst, dass der Graukeil auch wirklich Grau erschien, dann Kontrast und Helligkeit so optimiert, dass viele Grauabstufungen erkennbar waren. Wir selbst waren einerseits zufrieden mit der Schärfe und Brillanz, aber unzufrieden mit der Farbwiedergabe von Gelb und Cyan.
Und da gab es noch die Internetseite mit dem ,Projection Calculator Pro' von Projectioncontrol. Gibt es doch wahrlich für jeden Projektor einen optimalen Abstand zur Leinwand, für unseren je nach Zoomeinstellung von 3.50 m bis 7.50 m, um ein brillantes Bild zu erhalten.

Der JEKAMI-Abend:

Der Aufbau der beiden Projektoren war gar nicht so einfach, denn ein grosses Analogbild bedeutete ein übergrosses Digitalbild. So musste ein Kompromiss her, analog wie digital, so dass beide Bilder einigermassen in gleicher Grösse auf den beiden Leinwänden zu sehen waren. Und somit waren wir bereits nicht mehr im optimalen Projektionsbereich für den digitalen Projektor.
Da waren sie nun die analogen wie digitalen Bilder im Vergleich. Auf der linken Seite die ,wohltemperierten' Diapositive (ausgewogene Tiefenschärfe und warme Farben) und auf der rechten Seite die digitalen in ihrer Variabilität in Farbe und Tiefenschärfe je nach Kameramodell und Aufnahmesituation. Eigentlich kein Erfolg auf Anhieb, wenn man ehrlich ist und die Sache neutral betrachtet. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Digitalphotos unter Blitzlicht kälter in den Farben werden und je nach Objekt mit einer deutlichen Blaukomponente erscheinen (diese Bilder brauchen entweder eine digitale Nachbearbeitung - etwas mehr gelb, oder einen gesonderten Weissabgleich, der in den meisten Digitalkameras möglich ist).

Digitaler Kater:

Während die einen zu Hause ihr analoges Kamerasystem mit Genugtuung und zu Recht streicheln, gingen mir die Bilder und Diskussionen nicht so richtig aus dem Sinn. Irgendwie kamen in mir Erinnerungen aus meinen Fotoclub-Abenden Ende der Siebziger in den Sinn, an denen wir ausgiebig und heftig über die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Diafilme (Kodakchrome, Ektachrome, AGFAchrome CT18, AGFAchrome Professional 50S, ORWO und REVUEchrome) diskutierten, ja fast stritten, welcher nun am besten Grün oder gar Hautfarbe wiedergab. In Gedanken und Erinnerung versunken, kamen mir die wichtigen Stichworte peu à peu in den Sinn!

Farbenlehre und Farbenmanagement

Tageslichtfilm und Kunstlichtfilm, Polarisationsfilter für strahlendes Himmelsblau, Farbausgleichsfilter, Farbwahrnehmung und Farbempfinden, Farbtemperatur usw. Wie konnte ich nur den digitalen Projektor auf eine Wiedergabe von 6500 K stellen (mein geliebtes neutrales Grau des Farbkeiles) und die warme Wiedergabe des Diaprojektors mit ca. 3500 K vergessen. Klar, dass die warm/kalt Diskrepanz auftrat. Und dann das grosse Aha - die Farbkalibrierung. Habe ich doch schon vieles über die professionelle Farbwiedergabe gelesen speziell für den Farbdruck.
Es gilt nämlich für eine ,richtige' Farbwiedergabe den Monitor / Flachbildschirm zu kalibrieren, genauso wie das Ausgabegerät Drucker oder die Eingabegeräte Scanner/Kamera, wenn man identische Farben auf allen Kanälen haben will. Und wie steht es mit den Projektoren? Auch hier weiss das Internet Rat. Auch diese sollten/müssen farbkalibriert werden. So wird die Sache komplex-kompliziert. Kompliziert, da man ein spezielles Messgerät benötigt inklusive Software, komplex weil die ganze Kalibrierung speziell im Falle von Projektoren eine Zeitabhängigkeit bekommt. Einen Monitor reicht es anscheinend im Jahr 1-2-mal zu kalibrieren. Für einen Projektor im variablen Einsatz - so ist die Empfehlung - sollte vor jeder Präsentation die Farbkalibration überprüft werden, da Farben unter anderem auch abhängig von der verwendeten Leinwand sind.
Wenn ich einerseits diesem Perfektionismus unser Vorgehen (d.h. Stecker rein und anschalten, etwas an den Knöpfchen drehen - fertig) entgegen halte, war das Ergebnis des Abends doch nicht so schlecht ;-). Aber andererseits können die analogen Fotographen der Fotoindustrie dankbar sein, dass eine vergleichbare Farbkorrektur in den Silberhalogenidfilmen bereits aufwendig integriert wurde (Stichworte hier sind Sensibilisierung und Farbstoffe). Kurzum die Fotographie wird im digitalen Zeitalter nicht einfacher, sondern nur technischer (zumindest vorerst).

Ein paar technische Details zur Digitalfotographie:

Das Korn des analogen Kleinbildfilmes (36 mm x 24 mm) hat eine (rechnerische) Pixelgrösse von 72 ?m2 und eine Auflösung von ca. 12 Megapixel1. Die Auflösung ist somit vergleichbar mit heutigen digitalen Spiegelreflexkameras.
Eine 3 Megapixelkamera hat einen Sensor von 7.2 mm x 5.4 mm bei einer Pixelgrösse von 12 ?m2. Entscheidend ist der Abstand der Pixel voneinander (3.5 ?m), dies bestimmt das Rauschen im Bild. Bei einer 8 Megapixelkamera sind die entsprechenden Werte 8.7 mm x 6.5 mm, 7??m2 und 2.7??m und somit auf Grund des geringeren Pixelabstandes etwas verrauschter. Hochklassige Spiegelreflexkameras setzen somit auf einen grösseren Pixelabstand unter Umständen mit weniger Megapixel (z.B. Nikon D70 6 Megapixel, 61 ?m2 und 7.8??m Abstand auf einem Sensor von 23.4 mm x 15.6 mm) und erreichen somit bereits eine Auflösung vergleichbar der Analogfotographie.
Ein definitiver Vergleich fällt somit äusserst schwer, denn die verschieden Preisklassen der aktuellen Digitalkameras sowie die teilweise ,veraltete' Technologie der 3-5 Jahre alten Digitalkameras ergibt schon ein breites Spektrum an Resultaten.

.....und zum Schluss noch dieses....
"Digitales Fotografieren verleitet zum Knipsen und Kitsch! ? "

Eines ist den alten Fotoapparaten mit Glasplatten, 6x6 Rollfilmen, den Spiegelreflexkameras und den heutigen Digitalkameras gemeinsam - der Auslöser. Dieser wird immer noch von Hand betätigt - der Hand des Fotographen, der im Lichtschacht, Sucher oder LCD-Display ein Bild als gelungen erachtet.

Aufruf - Wer macht mit?

Ich denke mit dieser Erfahrung sollten wir nochmals einen Anlauf nehmen, um analog/digital angemessen zu vergleichen.
Wer ist bereit, mit mir im nächsten Jahr einen Samstag oder Sonntag zu opfern, um wirklich in aller Ruhe die vergleichbaren Aufnahmen zu machen. Ich denke an einen Rundgang durch und um Olten, um alle Aspekte der Fotographie einzubeziehen. Bitte meldet Euch doch telefonisch oder per E-mail.

Literatur / Internetadressen

Im Sonderheft MACWELT 2/2003, Digitale Fotos am MAC' findet sich ab S. 68 ein direkter Vergleich Analog zu Digital mit der Canon EOS 30 und Canon D60.
Im CHIP Foto Video Digital 7/2004 findet sich ab S. 18 ein sehr guter Artikel über Sensoren digitaler Kameras aller Preisklassen.

Technologie (englisch)
http://www.avdeals.com/classroom/what is dlp.htm
http://www.projectorcentral.com/lcd dlp.htm
http://www.dlp.com/

Technologie/Kaufberatung (deutsch)
http://www.hifi-regler.de/special/dlp-lcd-videoprojektionstechnik.php

Farbenlehre und Management (deutsch)
Digitale Bildbearbeitung (deutsch)
http://www.old-schulte.de/bldbearb.html
http://www.filmscanner.info/Farbmanagement.html

Gerätekalibrierung (deutsch)
http://www.cipho.de/
http://www.colorvision.ch/
http://www.photoindustrie-verband.de/

Hinweis: Auf der AGEO-Homepage findet ihr den pdf-File unseres Mitteilungsheftes. In diesem sind die Links aktiv - d.h. einfach anklicken und der Zugriff läuft.
 
1 1µm ist ein tausendstel Millimeter.

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Aktualisiert 10. 03. 2009

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